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Lupe Von der Leyen für Masern-Impfpflicht

Familienministerin von der Leyen will einen weiteren Anstieg von Masern-Erkrankungen verhindern: Impfungen gegen die ansteckende Krankheit müssten daher zur Pflicht für Schulkinder werden.

Der Anstieg von Masern-Erkrankungen in Deutschland ist für Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) dramatisch genug, eine gesetzliche Impfpflicht zu fordern. «2004 gab es 121 Fälle, 2005 waren es 778, und in diesem Jahr wurden bis Ende August schon 2.224 Erkrankungen gemeldet», sagte sie der «Bild am Sonntag». Dies sei eine erschreckende Entwicklung, die nicht länger hingenommen werden dürfe.

Nur noch jedes dritte Schulkind habe den vollen Impfschutz. «Wir müssen jetzt handeln. Wir brauchen eine Impfpflicht gegen Masern», sagte die Ministerin. «Wer einmal erlebt hat, wie ein lebenslustiges Kind nach einer Masern-Hirnhautentzündung zu einem schwerst geistig behinderten Kind wurde, vergisst dieses Bild nie wieder», sagte sie. «Wir sind so nachlässig mit dem Impfen, weil viele von uns die Masern gar nicht mehr kennen und jeder denkt: Mich trifft es nicht.»

Deutschland Spitze bei Erkrankungen
Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte fordert schon seit langem eine Impfpflicht nach Vorbild etwa der USA, wo die Masern als nahezu ausgerottet gelten. Deutschland dagegen gehört nach Angaben der Mediziner inzwischen weltweit zu den Staaten mit den höchsten Erkrankungszahlen. Hauptgrund ist häufig die Angst vor Nebenwirkungen, die aber unbegründet ist, wie die Kinderärzte versichern: Das Risiko einer Unverträglichkeit sei gering im Vergleich zum Risiko, das eine Krankheit mit sich bringe.

Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut empfiehlt spätestens bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr zwei Impfungen gegen Masern. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert dafür landesweit jeweils Durchimpfungsraten von mehr als 95 Prozent. Laut Robert-Koch-Institut liegen die Raten aber für die zweite Impfung in Ostdeutschland nur bei etwa 65 Prozent und im Westen sogar unter 60 Prozent.

Komplikationen bei bis zu 20 Prozent
Die Übertragung der Masern-Viren erfolgt durch Tröpfchen. Nach acht bis zwölf Tagen beginnt die Krankheit mit Fieber, Husten und Schnupfen, später folgt dann der typische rote, großfleckige Ausschlag, der von hohem Fieber, Bronchitis, Lichtempfindlichkeit und allgemeinem Krankheitsgefühl begleitet ist. Häufige Komplikationen sind Lungen- und Mittelohrentzündungen. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Hirnentzündung mit tödlichem Ausgang oder Dauerschäden kommen. Obwohl Masern als Kinderkrankheit gelten, können sich auch Jugendliche und Erwachsene anstecken.

In den westlichen Industrieländern führt die Krankheit nach Expertenschätzungen in 10 bis 20 Prozent der Fälle zu Komplikationen. Laut Robert-Koch-Institut stirbt im Schnitt eines von 10.000 Kindern an der Krankheit, bei einem von 20 ist zusammen mit den Masern mit einer Lungenentzündung zu rechnen, und eines von 1000 bis 2000 Kindern zieht sich eine Gehirnentzündung zu. Impfungen haben demnach eine weit geringere Komplikationsrate: Eine Verringerung der Blutplättchen trete in einem von 40.000 Fällen und eine Gehirnentzündung in weniger als einem von einer Million Fällen auf. (nz)