netzeitung.deInnenminister wünscht sich Opern-Besuch

 Herausgeber: netzeitung.de

Lupe Innenminister wünscht sich Opern-Besuch

Trotz zur Schau gestellter Harmonie hat die erste deutsche Islamkonferenz Konfliktpotenzial bloßgelegt. Dennoch will Gastgeber Schäuble mit den Teilnehmern baldmöglichst die jüngst in Berlin abgesetzte Mozart-Oper besuchen.

Das Einleitungstreffen der ersten deutschen Islamkonferenz dauerte fast eine Stunde länger als geplant, doch am Ende herrschte Einigkeit: Der Gastgeber, Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), sprach im Anschluss von einer «sehr offenen» Diskussion, die aber «nicht immer harmonisch» verlaufen sei. Die Teilnehmer der Auftaktveranstaltung der ersten deutschen Islamkonferenz feierten ihr Treffen als «Durchbruch», als «historischen Tag» oder «guten Auftakt».

Bekir Alboga, Beauftragter der Türkisch-islamischen Union (Ditib), für den interreligiösen Dialog, sagte, die Erwartungen der muslimischen Gemeinden seien voll erfüllt. Am Ende der Konferenz müsse die Anerkennung der muslimischen Gemeinschaft als öffentlich-rechtliche Körperschaft stehen, sagte er. Der Generalsekretär des europäischen Integrationszentrums, Badr Mohammed, sprach von einem «gelungenen Durchbruch» für einen Dialog zwischen deutscher Gesellschaft und Muslimen. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Ayyub Axel Köhler, äußerte Sorge darüber, wie viele Missverständnisse bei der Regierung vorhanden seien. «Der Dialog zwischen Staat und Muslimen scheint notwendiger zu sein als wir je angenommen hätten», sagte er.

«Weiter Weg»
Bayerns Innenminister und Vorsitzender der Innenministerkonferenz, Günther Beckstein (CSU), sah in dem Treffen einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Integration der Muslime und des Islam in die deutsche Rechtsordnung. «Eine weite Wegstrecke liegt aber noch vor uns», sagte Beckstein. So werde es sicherlich auf muslimischer Seite noch heftige Diskussionen bei der Gleichstellung der Frau geben.

Die islamkritische Autorin und Soziologin Necla Kelek sprach demzufolge kritischer über das Treffen. Es habe große Meinungsunterschiede etwa in der Frage eines Kopftuchverbots gegeben, sagte sie. Gerade wegen der unterschiedlichen Vorstellungen zum Islam wolle sie aber weitermachen. «Wir Säkularen hatten bisher keine Stimme - wir haben jetzt eine Stimme bekommen.» Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, äußerte die Hoffnung, dass man eine Übereinkunft finde, die zu einer gewissen Säkularisierung führe, aber auch die Rechte des Islam anerkenne.

Zusammen in die Oper
Schäuble sagte, dass sich alle Konferenzteilnehmer «sehr freuen» würden, wenn die Deutsche Oper in Berlin ihre abgesetzte Mozart-Oper «Idomeneo» wieder auf den Spielplan setze. Die Konferenzteilnehmer würden die Aufführung gern gemeinsam besuchen.

Die Deutsche Oper hatte die Inszenierung abgesetzt, weil die Polizei vor islamistischen Störungen warnte. Im Epilog der Aufführung präsentiert die Hauptfigur die abgeschlagenen Köpfe von Poseidon, Jesus, Buddha und des islamischen Propheten Mohammed.

Längerer Prozess
Die Liste der Eingeladenen hatte das Bundesinnenministerium bis zuletzt geheim zu halten versucht. Zum Auftakt mit dabei waren Spitzenvertreter von fünf islamischen Verbänden, darunter etwa der Zentralrat der Muslime oder der konservative Islamrat sowie zehn ausgewählte Einzelpersonen, die als liberale Vertreter des «modernen und säkularen» Islam gelten. Gerade dieser Gegensatz hatte für Kritik gesorgt: Der Staat solle nicht das «Guter-Muslim-böser-Muslim-Spiel spielen», hatte Islamrats-Vorsitzender Ali Kizilkaya der Netzeitung gesagt.

Für das Innenministerium soll die Konferenz in einen längeren Dialog mit Muslimen und Islamgläubigen münden. Bund und Länder wollen das Verhältnis der Gesellschaft und den in Deutschland lebenden Muslimen in einem auf mehrere Jahre angelegten Prozess auf eine tragfähige Grundlage stellen.

Sport und Sexualkunde
In vier Arbeitsgruppen sollen die entsandten Vertreter eine Vielzahl von Themen abarbeiten. Unter dem Schwerpunkt «Deutsche Gesellschaftsordnung und Wertekonsens» will Schäuble die Gleichberechtigung von Mann und Frau, politische Willensbildung, Selbstbestimmung, die Akzeptanz der Vielfalt demokratischer Kulturen oder Säkularisierung erörtern lassen.

Unter dem Stichpunkt «Religionsfragen» sollte es um das Grundprinzip der Trennung von Staat und Kirche gehen, weiterhin um religiöse Symbole, Gleichberechtigung, die Teilnahme von Muslimen am Sportunterricht oder der Sexualerziehung. Weiterhin sollte es um die Ausbildung von Moscheepredigern, den Imamen, gehen, um den Arbeitsmarkt für Muslime, den Abbau von Vorurteilen in Medien und die Sicherheit und den Islamismus.

Obwohl ein großer Teil der Muslime in die Gesellschaft integriert ist, bestimmen nach Feststellung des Innenministeriums wirtschaftlich-kulturelle und religionspraktische Integrationsprobleme die Öffentlichkeit, darunter Religionsunterricht, unterschiedliche Behandlung von Jungen und Mädchen im Schulunterricht, Kopftuchdebatte. Hinzu kommen islamistische Bestrebungen. (nz)