11.09.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Seyran Ates
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Dank der Unterstützung vieler Berliner Anwälte wird die türkischstämmige Frauenrechtlerin Ates doch weiter aktiv sein. Sie werde ihre Arbeit als Anwältin vom Anfang 2007 wieder aufnehmen.
Eine «Welle der Solidarität unter Berliner Anwälten» hat die Frauenrechtlerin Seyran Ates dazu bewogen, ihren Job doch nicht aufzugeben. Sie werde von Anfang kommenden Jahres an in einer Gemeinschaftskanzlei ihre Arbeit «unter veränderten Bedingungen» fortsetzten, sagte der Vorsitzende des Berliner Anwaltsvereins (BAV), Ulrich Schellenberg, am Montag der Netzeitung. Ates hatte kürzlich aus Angst um ihr Leben ihre Anwaltszulassung zurückgegeben und ihre Berliner Kanzlei aufgelöst.
Ates habe sich für die Weiterarbeit entschieden nachdem es «eine Welle der Solidarität unter Berliner Anwälten für Ates» gegeben habe, sagte Schellenberg. «Ein Unterstützerkreis wird zukünftig die Kollegin zu schwierigen Terminen begleiten.» Außerdem solle eine kritische Öffentlichkeit zum Thema Frauenrechte in Berlin hergestellt werden. «Die Solidarität zeigt, dass der Fall Ates keine Niederlage der Zivilgesellschaft ist», betonte Schellenberger.
Nach eigenen Angaben litt Ates zunehmend unter Bedrohungen durch Ehemänner ihrer meist türkischen Mandantinnen, die sie in Scheidungsverfahren vertrat oder in Familienprozessen etwa um häusliche Gewalt. Von ihren Kolleginnen und Kollegen in Berlin habe sie sich zunächst allein gelassen gefühlt, sagte Schellenberger. Von den Hilfsangeboten des BAV sei sie sehr überwältigt gewesen.(nz)