Deutscher Ex-Botschafter: Kuba in Ruhe lassen
01. Sep 2006 17:38
 |  Bernd Wulffen | Foto: Privat |
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In Lateinamerika sei eine stärkere Rolle Deutschlands erwünscht, sagt der ehemalige deutsche Kuba-Botschafter Wulffen. Doch für Kubaner sei vor allem wichtig, dass sich nicht alle einmischten.
Der ehemalige deutsche Botschafter in Kuba Bernd Wulffen plädiert für eine stärkere Rolle Deutschlands im lateinamerikanischen Raum. «Ich war in vielen Ländern der dritten Welt auf Posten und habe überall gemerkt, dass man sich eine stärkere Rolle Deutschlands wünscht. Gerade in Lateinamerika haben wir ein hohes Ansehen.»
Im Interview mit dem Berliner Radiosender 100,6 Motor FM lobt Wulffen ausdrücklich das Vorgehen von Frank-Walter Steinmeier (SPD): «Ich glaube, dass unser Außenminister, der den Versuch unternimmt, stärker mit Lateinamerika in Kontakt zu treten, dabei auf einem guten und richtigen Weg ist.»Vor dem Hintergrund eines möglichen Machtwechsels in Kuba und dem Rückzug von Präsident Fidel Castro mahnt der Diplomat, sorgfältig zu beobachten, was sich in den nächsten Monaten abspiele. «Es wird auch wichtig sein, dass wir Kuba in Ruhe lassen und nicht ständig versuchen, uns einzumischen. Die Kubaner sind intelligent und gebildet. Sie wollen ihren eigenen Weg suchen.»
«Ein gesichertes Leben in Armut»
Als größte Gefahr für das Land bezeichnet Wulffen die Armut der Menschen. «Die dauernden Stromausfälle, die schlechte Versorgungslage, die völlig unzureichenden Wohnungen - man fragt sich oft, wie die Menschen das noch aushalten.» Eine Antwort auf die Frage ist für den ehemaligen Botschafter Angst vor der Zukunft. «Den Menschen ist ein gesichertes Leben in Armut lieber als ein unsicheres Leben, bei dem man nicht weiß, wie es weitergeht.»Der teilweise Rückzug Fidel Castros aus der Regierung wird laut Wulffen keine Neuausrichtung der Politik zu Folge haben. «Bei Castro dreht sich alles um den Erhalt seiner Macht, um den Erhalt der Revolution.»
«Es wird schwer sein»
Auch Fidels jüngerem Bruder Raoul, der als Nachfolger gehandelt wird und kommissarisch die Amtsgeschäfte des Staatschefs führt, traut der Diplomat keine raschen Reformvorhaben zu, wie er dem Radiosender sagt. «Es werden ihm Leute zur Seite gestellt, von denen Fidel glaubt, dass sie 'linientreu' sind, aus dem Politbüro, aus dem Wirtschaftsbereich. Ich glaube, dass es schwer sein wird, sich vorläufig aus diesen Fesseln zu befreien.»Die neue Allianz, die Castros Regime mit den Regierungschefs von Venezuela und Bolivien, Chavez und Morales, anstrebt, sieht Wulffen weniger als sozialistisch gefärbte Partnerschaft denn als Versuch, eine strategische Achse zu installieren. «Im September ist in Havanna der 'Gipfel der Blockfreien'. Wir werden da einiges erleben, was sich nicht nur gegen die USA, sondern gegen die gesamte westliche Welt richten wird», sagt Wulffen in der Talkshow «Sonntags ab zehn».
Das komplette Interview wird am Sonntag ab 10.03 Uhr auf dem Berliner Radiosender «100,6 Motor FM» ausgestrahlt. Alle Interviews der Sendereihe «Sonntags ab zehn» mit Michael Maier gibt es zum Nachhören bzw. als Podcast unter www.netzeitung.de . Das obige Interview steht am Sonntag ab 10 Uhr zum Nachhören und als Podcast bereit.