Bundesregierung beschließt neue Volkszählung
Schäuble nannte die Volkszählung «eine lohnende und gebotene Investition, da ungenaue und unzuverlässige Daten zu kostspieligen Fehlplanungen und Fehlentscheidungen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft führen könnten». Der Staat brauche die Daten für die Zukunftsvorsorge und zur Bewältigung des demographischen Wandels. Es gehe um künftige Rentenlasten, den Bedarf an Kindergärten, Schulen, Kliniken und Altenheimen sowie um eine gerechte Steuer-Verteilung.
«Aus Sicht des Datenschutzes ist gegen ein solches Verfahren grundsätzlich nichts einzuwenden», erklärte Schaar. Er werde darauf achten, dass nur notwendige und gesetzlich erlaubte Daten erhoben und diese nicht an die Verwaltung weitergegeben würden. Nach Angaben des Innenministeriums ist dies garantiert, die Daten blieben anonym.
Erfasst werden sollen Geburtsort, Geburtsland, Alter, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Familienstand. Dazu kommen Daten zu Haushalt, Erwerbsleben und Bildung. In der Wohnungs- und Gebäudestatistik geht es um Nutzungsart, Wohnsituation oder Ausstattung. Die Daten sollen Grundlage sein für Planungen und Entscheidungen der Verwaltung.
Die Linksfraktion protestierte gegen die Pläne. «Nach kurzer Zeit sind die Daten einer Volkszählung nicht mehr aktuell», kritisierte Innenpolitikerin Ulla Jelpke. «Eine halbe Milliarde Euro für Daten, die schnell wieder veraltet sind, ist herausgeschmissenes Geld.» Auch sei diese Volkszählung nicht weniger problematisch als die letzte.
Gegen die Volkszählung 1987 hatte es heftige Proteste gegeben. Gegner warnten vor dem «gläsernen Bürger» und vor dem Weg in den Überwachungsstaat Ein Boykottaufruf verlief aber faktisch im Sande. (nz)
