netzeitung.deEntschuldigung nach Eklat bei Gedenk-Konzert

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Hermann Schäfer (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Hermann Schäfer
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Nach Kritik an seiner Rede bei einem Gedenkkonzert für KZ-Opfer hat der stellvertretende Kultur-Bundesbeauftragte Schäfer sich entschuldigt. Ihm wird vorgeworfen, mit keinem Wort auf NS-Verbrechen eingegangen zu sein.

Hermann Schäfer, stellvertretender Bundesbeauftragter für Kultur und Medien, hat sich für seine scharf kritisierte Rede bei der Eröffnung des Weimarer Kunstfestes entschuldigt. «Ich wusste nicht, dass in den ersten Reihen auch KZ-Opfer sitzen. Das tut mir Leid, und ich entschuldige mich auch dafür», sagte Schäfer am Montagabend im 3sat-Magazin «Kulturzeit».

«Ich hätte sie stärker in die Rede einbinden können, und ich hätte es wahrscheinlich auch müssen», so der Vize-Kulturstaatsminister. «Aber da gesagt worden ist, die Rede soll um Erinnerungspolitik im Allgemeinen gehen, da habe ich das nicht hinreichend getan. Aber es liegt mir fern, Opfer zu relativieren.»

Grüne forderten Reaktion
Schäfer wird vorgeworfen, in seiner Rede bei einem Gedenkkonzert für die Opfer des Konzentrationslagers Buchenwald in Weimar am Freitag vor allem über Flucht und Vertreibung der Deutschen gesprochen zu haben, jedoch mit keinem Wort auf die NS-Verbrechen und die Opfer des KZs eingegangen zu sein. In das Lager hatten die Nationalsozialisten zwischen 1937 und 1945 etwa 250.000 Menschen aus 36 Ländern verschleppt. 56.000 Menschen starben oder wurden ermordet.

Die Vizepräsidentin des Bundestages, Katrin Göring-Eckardt (Grüne), verlangte eine Reaktion der Bundesregierung, «um so weiteren Schaden im In- und Ausland zu vermeiden». Die Rede Schäfers sei zurecht als Provokation empfunden worden, sagte sie. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sprach im Deutschlandradio Kultur von einer erstaunlichen Fehlleistung und verlangte eine eindeutige Positionierung von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU).

«Noch nie so fassungslose Reaktionen»
Ähnlich äußerten sich der Direktor der KZ-Gedenkstätte Buchenwald, Volkhardt Knigge, und der Präsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos, Bertrand Herz. «Ich habe noch nie so fassungslose Reaktionen von Überlebenden bekommen», sagte Knigge der dpa. Er sprach von einem Skandal. Dabei meine er weniger die Schäfer-Rede als solche, sondern das politische Signal, das davon ausgehen könne. Der Franzose Herz, der als 14-Jähriger in das KZ gebracht worden war, sprach von einer offensichtlichen Missachtung des Leides der Opfer der nazistischen Barbarei und einer «nationalistischen Rede». Einen so schwerwiegenden Missbrauch einer Gedenkveranstaltung für KZ-Opfer habe es bisher nicht gegeben.

Der medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Börnsen, hält die Reaktionen auf die Rede dagegen für überzogen. «Die jetzt in die Diskussion eingebrachte Dramatik schadet allen», sagte er in Berlin. Die angestoßene Grundsatzdebatte über das Geschichtsverständnis der Bundesrepublik sei nicht nachvollziehbar. Ursache für den Eklat sei ein Missverständnis zwischen dem Veranstalter und Schäfer, der als Wissenschaftler bundesweit hohes Ansehen genieße.(nz)