25.07.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Philologen warnen vor Scientology-Nachhilfe
Die Zahl der von der Organisation Scientology betriebenen Nachhilfeinstitute hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre mindestens verdreifacht. Das schätzt der Vorsitzende des Philologenverbandes Meidinger.
Der Deutsche Philologenverband hat vor der Einflussnahme von Scientology auf Nachhilfeschüler in Deutschland gewarnt. Die Zahl der von der Organisation betriebenen Nachhilfeinstitute habe sich innerhalb der letzten zehn Jahre mindestens verdreifacht, sagte der Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger der Berliner Tageszeitung «Die Welt». Inzwischen seien mehr als 30 solcher Einrichtungen bekannt. Die «Dunkelziffer» liege jedoch viel höher. Bundesweit gibt es den Angaben zufolge rund 4000 private Nachhilfeinstitute.
Scientology nutze aus, dass Kinder mit Lernschwierigkeiten sich oft in einer Identitätskrise befänden und Minderwertigkeitskomplexe hätten, sagte Meidinger. «Ein solcher Zustand ist nahezu ideal für eine gezielte Beeinflussung.» Die Organisation wolle Kinder und Jugendliche auf eine mögliche Scientology-Karriere vorbereiten und auch Zugang zu den Eltern bekommen.
In den Einrichtungen bleibe es in der Regel nicht bei normaler Lernhilfe. Den Eltern würden vielmehr sehr schnell Angebote für weitere Kurse unterbreitet, hieß es weiter. Dort würden die Kinder dann sehr nahe an die Philosophie von Scientology-Gründer Ron Hubbard herangeführt. Schwerpunkt sei Hamburg und Umgebung. Auch in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen seien verstärkte Aktivitäten zu beobachten. (nz)