10.07.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Annan für längeres Kongo-Engagement
UN-Generalsekretär Annan hat in Berlin davor gewarnt, lediglich die Wahlen im Kongo abzusichern. Sonst werde derselbe Fehler begangen wie in anderen Ländern, aus denen Truppen überstürzt abgezogen worden sind.
UN-Generalsekretär Kofi Annan wünscht sich ein langfristiges Engagement der EU-Länder in der Demokratischen Republik Kongo. Er hoffe, dass es mit dem Beitrag Deutschlands und seiner europäischen Partner nach dem viermonatigen Einsatz nicht getan sein wird, sagte Annan am Montag in Berlin.
Denn nach den Wahlen Ende Juli müsse die Reform des Sicherheitswesens, der Polizeiausbildung und der Verbesserung der Regierungsführung angegangen werden. Dafür brauche das Land Unterstützung.
«Wir dürfen in der Demokratischen Republik Kongo nicht dieselben Fehler begehen wie allzu häufig bei früheren internationalen Reaktionen auf Postkonfliktsituationen», sagte Annan auf einer Veranstaltung der Bertelsmann-Stiftung und der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen. «Fehler, die auf knappe Mittel, mangelnde Koordinierung und einen überstürzten Abzug zurückzuführen waren.»
«Machtvolles Zeichen der Unterstützung»Denn die Folge davon sei allzu oft der Zusammenbruch eines mühsamen errungenen Friedens gewesen. Wenige Jahre später habe die internationale Gemeinschaft dann erneut eingreifen müssen. «Dies ist eine Tragödie für alle Betroffenen, vor allem aber natürlich für die Bevölkerung der Länder, denen wir zu helfen versuchen.»
Der Einsatz der Bundeswehr im Kongo hat laut Annan historische Bedeutung. «Die Ankunft deutscher Soldaten auf kongolesischem Boden eröffnet ein neues Kapitel des deutschen Engagements in der Welt auf dem Gebiet des Friedens und der Sicherheit.» Deutschland und seine europäischen Verbündeten setzten ein «machtvolles Zeichen der Unterstützung für das zweitgrößte Land Afrikas».
Gute VorbereitungAnnan hatte am Montag die EU-Operationszentrale für den Kongo-Einsatz in Potsdam besucht. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung versicherte Annan, der Einsatz sei gut vorbereitet. Jung ließ sich allerdings nicht darauf festlegen, ob die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr wie geplant am 18. Juli hergestellt sei. Die Wahlen seien am 30. Juli, und bis dahin werde die Truppe auch vollständig sein, sagte er.
Am Montag flogen rund 60 Soldaten von Köln-Wahn aus nach Libreville im benachbarten Gabun. Im Zweitagesrhythmus sollten weitere Kontingente abfliegen. Bislang sind in Libreville, wo ein Großteil der Truppen für den Krisenfall bereit gehalten wird, bereits 125 Soldaten stationiert, in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa 75. Die Bundeswehr rechnet damit, bis Anfang kommender Woche die meisten der 780 deutschen Soldaten vor Ort zu haben. (nz)