29.06.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Straßenfußball in Ghana
Foto: streetfootballworld
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Nachdem die Bundesregierung den Mannschaften Ghanas und Nigerias die Einreise für die Straßenfußball-WM verweigert hat, warnen Beteiligte vor den Folgen. Die Veranstalter hoffen auf eine Visa-Vergabe in letzter Minute.
Die Visa-Absage für die Teams aus Ghana und Nigeria vor der ersten Straßenfußball-WM in Berlin hat nach Einschätzungen von Beteiligten verheerende Folgen für die Entwicklungszusammenarbeit durch Straßenfußball in den beiden Ländern. «Für das Projekt ist es ein Debakel», sagte Nicole Scherschun, die als Stipendiatin des entwicklungspolitischen Netzwerks ASA für die Betreuung der nigerianischen Mannschaft «Search and Groom» in Berlin zuständig gewesen wäre, der Netzeitung.
Auch der Geschäftsführer des Veranstalters Streetfootballworld, Jürgen Griesbeck, äußerte sein Bedauern: «Hier ist eine große Chance vertan worden, der Welt zu zeigen, dass der Fußball auch in diesen Ländern Perspektiven schaffen kann, um das Leben junger Menschen zu verbessern.»
Scherschun fürchtet vor allem Probleme für die Streetfootball-Organisatoren in Nigeria selbst. Mit Straßenfußball könne man dort besonders viele junge Menschen zusammen bringen, sagt die Berlinerin. «Wenn man einen Ball in die Hand nimmt, kommen sofort Leute von überall an.» Doch nun «müssen die dortigen Organisatoren, die ohnehin stark um Anerkennung kämpfen müssen, auch noch gegen den Verdacht angehen, Hochstapler zu sein». Die Verweigerung von Visa für die Mannschaft aus Nigeria rücke die dortigen Organisatoren in ein schlechtes Licht. Jugendliche, die lange auf die Chance gewartet hätten, sich mit jungen Menschen aus anderen Ländern auszutauschen, würden entmutigt.
Die Bundesregierung hatte Visa für Mitglieder der beiden Mannschaften mit der Begründung abgelehnt worden, es fehle den Jugendlichen an «Verwurzelung im Heimatland». Es bestünden Zweifel, dass die Jugendlichen auch wieder zurückreisen würden.
Scherschun hält diese Zweifel für unberechtigt. «Ich vertraue diesen Leuten», sagte sie der Netzeitung. «Die Teilnehmer wären außerdem in ein Programm eingebunden. Es wäre immer jemand da, der auf sie aufpasst.» Aus Protest gegen die Visaverweigerung sammelt die Studentin seit Donnerstag auf einer Internetseite Namen von Menschen, die gegen die Entscheidung der Behörden sind. Trotz der ablehnenden Bescheide haben auch die Veranstalter der Straßenfußball-WM die Hoffnung noch nicht aufgegeben. «Wir hoffen bis zum letzten Moment», sagte Griesbeck.
Kritik auch aus der Linken-FraktionDie frühere grüne Bundestags-Vizepräsidentin Antje Vollmer hatte angeboten, für die Jugendlichen zu bürgen. Der Grünen-Fraktionsvize Hans-Christian Ströbele hatte am Mittwoch zu dem Thema eine dringliche Anfrage für die Parlamentssitzung eingebracht. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth bezeichnete die Visa-Weigerung am Donnerstag als Skandal. Kritik an der Haltung der Bundesregierung äußerte auch die Fraktion der Linken. Der Abgeordnete Jan Korte, Mitglied im Innenausschuss, schrieb in einem Brief an Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD): «Die Antworten der Bundesregierung auf die Frage nach den Ablehnungsgründen waren durchweg unbefriedigend». Der Wunsch der Jugendlichen, eine Karriere als Profi-Fußballer anzustreben, sei als Hinweis darauf gewertet, dass sie nicht in ihre Heimat zurückkehren würden. «Das ist eine groteske Argumentation.» Auch der Weltfußballverband Fifa hat das Einreiseverbot für die Afrikaner bedauert.
Die erste Straßenfußball-Weltmeisterschaft findet vom 2. bis 8. Juli in Berlin statt. Ursprünglich sollten 24 Mannschaften teilnehmen, jetzt sind es nur 22. Die Straßenfußball-WM ist Bestandteil des Fifa-Kulturprogramms.
Für das Web ediert von Timo Hoffmann