22.06.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Deutsch-Libanese Khaled el Masri
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Khaled El Masri hat seine Überzeugung bekräftigt, während seiner Gefangenschaft von einem Deutschen verhört worden zu sein. Auch die Aussage eines weiteren Zeugen vor dem BND-Untersuchungsausschuss wirft Fragen auf.
Der Ende 2003 verschleppte Deutsch-Libanese Khaled El Masri hat im Untersuchungsausschuss zum Bundesnachrichtendienst (BND) detailliert seine Entführung durch den US-Auslandsgeheimdienst CIA von Mazedonien nach Afghanistan geschildert. Er bekräftigte in dem Bundestags-Gremium am Donnerstag erneut, dass er während seiner fast fünfmonatigen Haft in einem Gefängnis in Kabul auch von einem Deutschen namens «Sam» verhört wurde. «Sam» sei «vom Aussehen und Akzent her ganz sicher deutsch gewesen».
Die Identität des Mannes muss nach Angaben der Staatsanwaltschaft München noch ermittelt werden. Grundsätzlich bezeichnete die Ermittlungsbehörde die Angaben Masris als glaubwürdig.
Masri, der in Anwesenheit seines Anwaltes Manfred Gnijdic mehrere Stunden vor dem Ausschuss aussagte, wurde am 31. Dezember 2003 an der serbisch-mazedonischen Grenze aus einem Reisebus heraus festgenommen. Danach wurde er rund drei Wochen in einem Hotel in Skopje festgehalten und dann nach eigener Darstellung in einem Flugzeug nach Afghanistan gebracht. Mitte Mai - wenige Tage vor seiner Freilassung - habe ihn in Afghanistan ein Mann mit dem Namen «Sam» auf Deutsch verhört.
Sowohl während seiner Haft in Skopje wie auch kurz nach seiner Ankunft in Afghanistan sei er auch geschlagen worden. Aus Protest gegen seine Festnahme - «Warum hat man mir das angetan?» - sei er in Skopje in einen elftägigen und in Afghanistan in einen 37-tägigen Hungerstreit getreten. Dort sei er zwangsernährt worden. Der Hungerstreik wurde durch Haarproben medizinisch nachgewiesen.
Staatsanwaltschaft prüft VariantenNach den Worten des Münchner Staatsanwaltes Martin Hofmann prüft die Ermittlungsbehörde derzeit noch immer mehrere «Sam-Varianten». «Nur weil er deutsch gesprochen hat, bedeutet das nicht automatisch, dass er ein Deutscher oder Mitarbeiter einer deutschen Behörde ist», sagte er. Nach Angaben Masris sprach der Mann mit einem Akzent, der nicht aus Baden-Württemberg oder Bayern stamme. Masri erklärte auf entsprechende Fragen, dass er Anfang der 80er Jahre am bewaffneten Kampf im Libanon gegen die «syrischen Besatzer» teilgenommen habe.
Der Ausschuss fand am Donnerstag keinen Hinweise darauf, dass Bundesbehörden oder die Bundesregierung an der Verschleppung in irgendeiner Form beteiligt waren. Dafür gebe es keine Hinweise, betonten die Vertreter der Münchner Staatsanwaltschaft. Unklar blieb auch, ob die Botschaft in Skopje möglicherweise frühzeitig über die Festnahme Masris informiert war.
«Das ist bekannt» Zwar erklärte der Ex-Direktor der Deutschen Telekom in Skopje, Wolf-Dietrich Mengel, er habe die Botschaft bereits Anfang 2004 telefonisch informiert, dass ein Deutscher festgenommen worden sei. Bei dem Telefonat sei ihm gesagt worden: «Das ist bekannt.»
Allerdings konnte sich der heute 61-jährige Kaufmann nicht konkret an den Zeitpunkt des Anrufs erinnern und auch nicht an den Namen des Gesprächspartners in der Botschaft. In der kommenden Woche (29. Juni) soll auch die frühere Botschafterin in Skopje gehört werden. (nz)