16.06.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Deutschland- Fahne
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Die Union lehnt eine Abschaffung der deutschen Nationalhymne strikt ab. CSU-Generalsekretär Söder warf Kritikern der Hymne in der Netzeitung ein «undemokratisches Geschichtsbewusstsein» vor.
Von Dietmar NeuererFührende Unions-Politiker haben Kritik an der deutschen Nationalhymne scharf zurückgewiesen. «Die Stimmungsmache gegen unsere Nationalhymne ist in der Sache abwegig und für eine Lehrergewerkschaft geradezu peinlich», sagte der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Fraktion im Bundestag, Wolfgang Bosbach (CDU), der Netzeitung.
Scharfe Kritik an der an der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) äußerte auch CSU-Generalsekretär Markus Söder. «Dass jetzt sogar die GEW die Abschaffung der Nationalhymne fordert, zeugt von einem undemokratischen Geschichtsbewusstsein», sagte der CSU-Politiker der Netzeitung. «Denn Einigkeit und Recht und Freiheit sind die Grundwerte unserer Demokratie.»
GEW-Chef Ulrich Thöne hatte gesagt, die deutsche Hymne transportiere die Stimmung des Nationalsozialismus und der deutschen Leitkultur. Mit mit Blick auf die aktuell stattfindende Fußball- Weltmeisterschaft sagte Söder: «Es ist wieder typisch, dass linke Besserwisser den Deutschen ihre Freude nehmen wollen.» Die WM trage auf «sympathische Weise zu einem aufgeklärten Patriotismus bei, den Deutschland gut brauchen» könne, betonte der CSU-Politiker.
«Ausblendung der Realität»Thöne sagte der «Frankfurter Rundschau», sein Verband wolle auch der Verwendung der dritten Strophe des Deutschlandlieds den Kampf ansagen. Deshalb sollen alle Schulen die GEW-Broschüre «Argumente gegen das Deutschlandlied Geschichte und Gegenwart eines furchtbaren Lobliedes auf die deutsche Nation» erhalten.
Der Berliner FDP- Fraktionsvorsitzende Martin Lindner bezeichnete die Kritik Thönes als «hirnverbrannten Schwachsinn». «Meinetwegen kann die GEW bei ihren Sitzungen die Internationale singen. Aber sie sollen den Rest des Landes in Ruhe lassen», sagte Lindner.
Bosbach empfahl, sich vielmehr darüber zu «freuen, dass sich immer mehr Menschen zu unserem Land und seinen Symbolen bekennen.» Das habe mit Nationalismus «überhaupt nichts» zu tun, betonte er. «Das ist Ausdruck der Freude darüber, dass wir Gastgeber eines sportlichen Weltereignisses sein dürfen und freundliche Gastgeber sein wollen.»
Dieser «fröhliche Patriotismus» schließe niemanden aus, hob der CDU-Innenpolitiker hervor. «Patriotismus ist Vaterlandsliebe. Und: Vaterlandsliebe ist eine gute Sache», so Bosbach. Jeder sei eingeladen sich «mehr für das eigene Land zu interessieren und zu engagieren», fügte er hinzu. «Ich bin mir sicher, dass sich unsere ausländischen Gäste daran nicht stören, zumal sie mit ihren nationalen Symbolen ebenso unbefangen und fröhlich umgehen.»
Pau für Brecht-HymneUnterstützung fand indessen der Vorschlag des Schriftstellers und Literaturwissenschaftlers Walter Jens, die Nationalhymne durch die Kinderhymne von Bertolt Brecht zu ersetzen. Nach der Wiedervereinigung habe bereits die Chance bestanden den Vorschlag von Jens zu verwirklichen, sagte Linksfraktionsvize Petra Pau. «Leider wurde damals verhindert, dass sich die Bundesrepublik eine echte Verfassung und eine neue Hymne gibt.» Pau plädierte dafür, die Föderalismusreform zu nutzen, um mit der Kinderhymne von Brecht der Bundesrepublik «eine neue, humanistische und friedensstiftende Identität» zu geben.
Jens hatte sich gegen das Deutschlandlied ausgesprochen. «Wenn ich an unserem Land etwas auszusetzen habe, dann ist es diese unsägliche Nationalhymne mit dem teilweise unverständlichen Text. Wer weiß denn schon, was 'des Glückes Unterpfand' ist», sagte Jens. Stattdessen sollte die Kinderhymne von Brecht vertont werden.
DFB: «Skandalös»Solche Kritik am Deutschlandlied ist für Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, «skandalös». Es sei «völlig in Ordnung, wenn bei uns 'Einigkeit und Recht und Freiheit' gesungen wird», betonte Zwanziger und fügte mit Blick auf die GEW hinzu: «Wir freuen uns in ganz Deutschland über den Beginn der Normalität, nur diese Leute bekommen das nicht mit.»