Bundeswehr soll in Afghanistan «durchhalten»
01.06.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Viereinhalb Jahre nach Beginn des Einsatzes in Afghanistan hat die Bundeswehr ihren Einsatzschwerpunkt von der Hauptstadt Kabul ins nordafghanische Masar-i-Scharif verlegt. Die Bundeswehr übernahm dort am Donnerstag um Mitternacht das Kommando über die Internationale Schutztruppe Isaf im Norden des Landes. Vor der Kommandoübernahme hatte Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) die Lage am neuen deutschen Standort als gefährlich eingeschätzt. Es gebe auch dort «vereinzelte hinterhältig Anschläge» der radikal-islamischen Taliban, sagte Jung am Mittwoch in der ARD. «Das ist das, was einem zurzeit Sorgen machen muss.»
Derzeit sind 2850 deutsche Soldaten im Rahmen der Isaf eingesetzt. Bis Jahresende sollen 1700 davon in Masar-i-Scharif stationiert sein. Dort baut die Bundeswehr derzeit ihr größtes Feldlager außerhalb Deutschlands auf. Der deutsche Brigadegeneral Markus Kneip, der das Kommando über die ISAF-Nord führt, hatte die Lage vor Ort zuvor als «eindeutig nicht ruhig und nicht stabil» eingeschätzt.
Die USA erwarten nach den jüngsten Unruhen deinen «blutigen Sommer» in Afghanistan. «Die Taliban glauben, dass die Nato-Staaten schwach sind und die Europäer weglaufen, wenn sie jetzt hart zuschlagen», sagte der US-Botschafter in Kabul, Ronald Neumann, der «Süddeutschen Zeitung». Die Deutschen machten «einen guten Job». Doch die Bundeswehr müsse sich, auch wenn ihr Gebiet im Norden sicherer sei als der Süden, darauf einstellen, dass die Lage im ganzen Land derzeit instabiler werde, sagte der US-Botschafter.(nz)

