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Bundeswehr soll in Afghanistan «durchhalten»

01. Jun 2006 10:08
Deutsche Soldaten in Afghanistan
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Die Bundeswehr hat das Isaf-Kommando im Norden Afghanistans übernommen. Trotz zunehmender Unruhen im Land will die Große Koalition den Einsatz fortführen.

Die Große Koalition ist entschlossen, trotz der aktuellen Rückschläge beim Versuch, Frieden in Afghanistan zu fördern, am dortigen Engagement der Bundeswehr festzuhalten. «Die Haltung der Koalition ist: Man muss das jetzt durchhalten», sagte der SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels dem «Kölner Stadt-Anzeiger». Dies sei auch der Tenor in der Sitzung des Verteidigungsausschusses des Bundestages gewesen.

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Die zunehmenden Unruhen in Afghanistan erklärte Bartels mit dem Hinweis, dass mit der wachsenden Präsenz der westlichen Truppen in der Fläche des Landes auch die Gegenreaktionen zahlreicher würden. Außerdem müsse man damit rechnen, dass die Taliban vor dem militärischen Druck der Briten und Amerikaner stärker in den von der Bundeswehr kontrollierten Norden ausweichen. «Trotz allem sollten wir uns einen zähen Optimismus bewahren. Es gibt zu diesem Einsatz keine Alternative», zitierte die Zeitung den SPD-Politiker.

Viereinhalb Jahre nach Beginn des Einsatzes in Afghanistan hat die Bundeswehr ihren Einsatzschwerpunkt von der Hauptstadt Kabul ins nordafghanische Masar-i-Scharif verlegt. Die Bundeswehr übernahm dort am Donnerstag um Mitternacht das Kommando über die Internationale Schutztruppe Isaf im Norden des Landes. Vor der Kommandoübernahme hatte Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) die Lage am neuen deutschen Standort als gefährlich eingeschätzt. Es gebe auch dort «vereinzelte hinterhältig Anschläge» der radikal-islamischen Taliban, sagte Jung am Mittwoch in der ARD. «Das ist das, was einem zurzeit Sorgen machen muss.»

Derzeit sind 2850 deutsche Soldaten im Rahmen der Isaf eingesetzt. Bis Jahresende sollen 1700 davon in Masar-i-Scharif stationiert sein. Dort baut die Bundeswehr derzeit ihr größtes Feldlager außerhalb Deutschlands auf. Der deutsche Brigadegeneral Markus Kneip, der das Kommando über die ISAF-Nord führt, hatte die Lage vor Ort zuvor als «eindeutig nicht ruhig und nicht stabil» eingeschätzt.

Kritik am Einsatz

Jung sagte, der Süden und Osten des Landes seien gefährlicher als der Norden. «Aber auch der Einsatz im Norden Afghanistans ist nicht ungefährlich und nicht ohne Risiken.» Der Einsatz sei aber sinnvoll und zeige auch Erfolg. Der Chef des Bundeswehrverbands, Bernhard Gertz, sagte der «Leipziger Volkszeitung» dagegen: «Unser Einsatz in Afghanistan basiert nicht auf einem wirklich schlüssigen Konzept. Die Aufgabenverteilung zwischen den Nationen funktioniert nicht richtig.» Insgesamt werde das Ziel verfehlt, die Lebensverhältnisse der Menschen zu verbessern.

Die USA erwarten nach den jüngsten Unruhen deinen «blutigen Sommer» in Afghanistan. «Die Taliban glauben, dass die Nato-Staaten schwach sind und die Europäer weglaufen, wenn sie jetzt hart zuschlagen», sagte der US-Botschafter in Kabul, Ronald Neumann, der «Süddeutschen Zeitung». Die Deutschen machten «einen guten Job». Doch die Bundeswehr müsse sich, auch wenn ihr Gebiet im Norden sicherer sei als der Süden, darauf einstellen, dass die Lage im ganzen Land derzeit instabiler werde, sagte der US-Botschafter.(nz)

 
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