Eckpunkte der Gesundheitsreform stehen
26. Mai 2006 12:10
 |  Alles immer teurer? Ärzte am Arbeitsplatz
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Beim Thema Gesundheit haben sich Union und SPD auf bestimmte Eckpunkte geeinigt. Von der Kopfpauschale der Union bleibt demnach nicht viel übrig.
In einem am Freitag bekannt gewordenen Kompromiss zur künftigen Gesundheitsfinanzierung hat sich die Koalition von der Kopfpauschale verabschiedet. Wie die Tageszeitung «B.Z.» berichtet, zeichnen sich für das Treffen des Koalitionsausschusses am Sonntag ab, dass künftig alle der Versicherungspflicht unterliegen, also etwa auch Selbstständige mit einem Jahreseinkommen oberhalb 47.250 Euro.
Zudem will die Koalition die Beitragsbemessungsgrenze erhöhen, also die Einkommens-Obergrenze, ab der der Versicherungsbeitrag konstant bleibt. Sie soll von derzeit 3562,50 Euro Bruttoeinkommen pro Monat auf etwa 4000 Euro steigen. Gesetzliche und private Kassen sollen ärztliche Leistungen künftig nicht mehr in verschiedener Höhe vergüten dürfen. Die bisher praktizierte Abrechnung der Ärzteleistungen nach Punkten werde abgeschafft, heißt es. Hinzu kommt die Einführung eines Versorgungsausgleichs privater Kassen für die gesetzlichen Versicherer sowie eine weitere Öffnung der Krankenhäuser für ambulante Behandlungen.
Streitpunkt Beitrags-Festschreibung
So wollen SPD und Union die im Koalitionsvertrag vereinbarte Abschaffung der Staatszuschüsse für die Krankenkassen umsetzen. Auch soll verhindert werden, dass sich junge und gesunde Singles privat versichern und die gesetzlichen Kassen mehr chronisch Kranke, und Familien mit Kindern aufnehmen müssen.Im Koalitionsausschuss will Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) über den Stand der Verhandlungen berichten. Sie hatte sich für Einsparungen vor allem auf dem Arzneimittelmarkt ausgesprochen. Eine 16-köpfige Arbeitsgruppe der Koalition berät derzeit über Strukturreformen, mit denen auch Sparmöglichkeiten ausgeschöpft werden sollen.
Der Arbeitgeberbeitrag soll nach dem Willen der SPD auch in Zukunft so groß sein wie der Arbeitnehmerbeitrag, berichtet das Blatt weiter. Die Union fordere dagegen weiter die Festschreibung des heutigen Arbeitgeberbeitrags, damit die Lohnnebenkosten der Arbeitgeber stabil bleiben. Als Kompromiss schlage CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer die Deckelung von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeitrag vor.
Streitpunkt Beitragsbemessungsgrenze
Die Gewerkschaften befürchten bei der Reform des Gesundheitswesens massive Einschnitte für sozial Schwache. Verdi Chef Frank Bsirske berichtete auf dem DGB-Bundeskongress, in der großen Koalition sei von einem Fonds die Rede, in den ein Arbeitgeberbeitrag in Höhe von sechs Prozent der Lohnsumme der gesetzlich krankenversicherten Arbeitnehmer flössen, und das ohne Beitragsbemessungsgrenze. Der Arbeitnehmerbeitrag belaufe sich nach den Darstellungen auf sieben Prozent mit Beitragsbemessungsgrenze. Dazu komme noch ein Beitrag der privaten Krankenversicherungen.Damit dürfte das «Thema Bürgerversicherung erledigt sein», kritisierte der Verdi-Chef. Laut Bsirske ist auch die Kopfpauschale noch nicht vom Tisch: Kassen, die ihre Ausgaben nicht decken könnten, erhöben künftig eine «Minikopfpauschale von bis zu 45 Euro». Die Bürgerversicherung war eine Idee der abgewählten rot-grünen Bundesregierung unter Gerhard Schröder (SPD), die SPD und Gewerkschaften nach wie vor verfechten. Das Konzept bezieht sämtliche Einkünfte in die Berechnung des Krankenversicherungsbeitrags ein, also auch solche aus Miete, Pacht oder Kapital.
Streitpunkt Terrorabwehr
«Das muss in mehrfacher Hinsicht alarmieren», warnte Bsirske und warnt vor Nachteilen, die für gesetzlich Versicherte aus der Beitrags-Arithmetik erwüchsen: Die Koalition diskriminiere diese Gruppe, wenn die Lohnsummensteuer nur auf die Gehälter der gesetzlich Versicherten ohne Beitragsbemessungsgrenze erhoben werde, und nicht auch auf die Gehälter privat Versicherter. Der Druck, von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung umzusteigen, dürfte damit enorm zunehmen. Doch die Gesundheitsreform ist nicht das einzige Problem der Koalition: Wie aus Regierungskreisen bekannt wurde, stehen auf der Tagesordnung der Spitzenrunde im Kanzleramt auch neue Korrekturen an den Arbeitsmarktreformen und der Einsatz der Bundeswehr zur Terrorabwehr im Inland. Darüber hinaus streben Union und SPD eine Verständigung über die Grundzüge des Bundeshaushalts 2007 an. Vizekanzler Franz Müntefering hat zudem die Besorgnis erregende Situation auf dem Lehrstellenmarkt auf die Tagesordnung des Koalitionsausschusses gesetzt. Über dieses Thema will am Mittwoch auch das Kabinett beraten. (nz)