netzeitung.deNationalpreis für Schule mit Deutschpflicht

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Herbert-Hoover- Realschule (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Herbert-Hoover- Realschule
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Die Berliner Hoover-Realschule soll den diesjährigen Nationalpreis erhalten. Ihre Entscheidung, Deutsch zur Pflichtsprache zu machen, hatte eine lebhafte Debatte ausgelöst.

Die Herbert-Hoover-Realschule in Berlin- Wedding erhält den mit 75.000 Euro dotierten Deutschen Nationalpreis 2006. Das gab die Deutsche Nationalstiftung am Donnerstag in Hamburg bekannt. Die Stiftung würdige damit die von Schülern, Lehrern und Eltern getroffene Entscheidung, in der ganzen Schule ausschließlich Deutsch zu sprechen.

Anders ist vielen Schülern eine Verständigung auch unmöglich. Etwa 90 Prozent der rund 370 Hoover-Schüler sprechen eine andere Muttersprache – und oft nicht dieselbe.

Alle Jugendlichen an der Herbert-Hoover-Realschule müssen die Hausordnung mit der Verpflichtung zum Deutschsprechen unterschreiben. Darin heißt es: «Die Schulsprache unserer Schule ist Deutsch, die Amtssprache der Bundesrepublik Deutschland. Jeder Schüler ist verpflichtet, sich im Geltungsbereich der Hausordnung nur in dieser Sprache zu verständigen.» Der Geltungsbereich dieser Regelung sind nicht nur die Schule und der Schulhof, sondern auch Aktivitäten wie Klassenfahrten und Wandertage.

Streit um «Sprachpolizei»
Die Deutschpflicht-Entscheidung hatte eine teils heftig geführte politische Debatte ausgelöst. Die in Berlin regierende SPD unterstützte die Maßnahme, der Grünen-Politiker Özcan Mutlu bezeichnete das Verbot als grundgesetzwidrig und diskriminierend. Der Streit nahm auch bundesweite Züge an: Politiker aus CDU und CSU sprachen sich für eine generelle Deutschpflicht auf Schulhöfen aus, die FDP lehnte eine solche «Sprachpolizei» ab.

Die Stiftung würdigte dagegen die positiven Folgen der Maßnahme. Seit im März 2005 Deutsch als Schulsprache eingeführt wurde, hätten sich die Deutschkenntnisse verbessert, die Aggression in der Schule sei gesunken und die Anmeldezahlen seien um 20 Prozent gestiegen, sagte der
Senatspräsident der Stiftung, der frühere sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU). «Schüler, Eltern und Lehrer der Herbert-Hoover-Schule haben die Identität stiftende Wirkung der gemeinsamen Sprache erkannt, nicht auf staatliche Regulierungen gewartet und den Begriff der Nation durch ihr pragmatisches Verhalten mit Leben gefüllt».

Zweiter Preis für Maßnahme
Der Preis wird am 27. Juni in Berlin überreicht. Die Laudatio soll Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) halten. Schon im März hatte die Realschule für ihr Projekt «Deutsch als Schulhofsprache» den Jahrespreis 2006 der Helga und Edzard Reuter-Stiftung bekommen.

Die Deutsche Nationalstiftung wurde 1993 von einem Kreis hochrangiger Politiker, Künstler und Unternehmer um den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) gegründet. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Einheit Deutschlands und die Identität der Deutschen in einem geeinten Europa zu fördern. Der Nationalpreis wird seit 1997 verliehen. Zu den bisherigen Preisträgern zählen die Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Frauenkirche in Dresden, der Liedermacher Wolf Biermann und der frühere tschechische Staatspräsident Vaclav Havel. (nz)