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Söder will Deutsch als «Staatssprache»

10. Mai 2006 18:13, ergänzt 18:39
Markus Söder
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CSU-Generalsekretär Söder will Deutsch als «Staatssprache» in die Verfassung aufnehmen. SPD-Fraktionsvize Stiegler warnte, Söder solle aufpassen, dass ihm nicht die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen werde

Von Dietmar Neuerer

Die CSU und die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, wollen die deutsche Sprache unter gesetzlichen Schutz stellen. Während CSU-Generalsekretär Markus Söder Deutsch als «Staatssprache» im Grundgesetz verankern möchte, schlug die CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach ein eigenes «Gesetz zum Schutz der deutschen Sprache» vor.

Mehr in der Netzeitung:
Söder sagte am Mittwoch «Focus Online», Deutsch sei die Grundvoraussetzung für das Zusammenleben in der Bundesrepublik. Eine Verfassungsänderung wäre ein sichtbares Signal, dass die deutsche Sprache oberstes Ziel aller Integrationsbemühungen sein müsse.

SPD kritisiert «Phantasie-Ausflüge»

Ludwig Stiegler
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SPD-Präsidiumsmitglied Ludwig Stiegler bezeichnete die Überlegungen Söders als «Phantasie-Ausflüge, die an Stammtischen ihre Wirkung entfalten, aber für die Lebenswirklichkeit wenig Bedeutung haben». Söder solle aufpassen, «dass er mit seinem fränkischen Dialekt die deutsche Staatsangehörigkeit überhaupt behalten kann».

Stiegler plädierte dafür, Ausländern mehr Deutsch-Kurse anzubieten sowie die vorschulische Erziehung zu verbessern. «Das ist wirksamer, als das Grundgesetz zu traktieren.»

CDU: Deutsche werden ausgegrenzt

Erika Steinbach
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CDU-Politikerin Steinbach gab in «Bild» zu bedenken, dass Englisch Deutsch in vielen Lebensbereichen verdränge: «30 Prozent der Deutschen sprechen gar kein Englisch. Sie schämen sich nur, das zuzugeben. Sie werden ausgegrenzt.»

Für ihre gesetzgeberischen Überlegungen habe sie in ihrer Fraktion viele Unterstützer, betonte Steinbach. In Deutschland verkaufte Produkte oder Schilder auf Flughäfen und in Bahnhöfen müssten deutsch beschriftet sein. Außerdem solle «Sale» wieder «Schlussverkauf» sowie «on» und «off» am Radio wieder «an» und «aus» heißen.

Die FDP nahm die Vorschläge aus der Union verwundert zur Kenntnis. «Vielleicht sollten wir auch die Globalisierung als Straftatbestand verbieten? Auf diesem Niveau bewegt sich die von Markus Söder losgetretene Debatte», sagte die stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestags- Fraktion, Sabine Leutheusser- Schnarrenberger, der Netzeitung. «Der Vorstoß des CSU-Generalsekretärs und die Äußerungen von Erika Steinbach sollen wohl Deutschland in die Steinzeit katapultieren».

Grüne für «Freiheit der Sprache»

Volker Beck
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Grünen-Fraktions- Geschäftsführer Volker Beck wies Steinbachs Forderung als «eine Schnapsidee» zurück. «Ich weiß nicht, ob sich Frau Steinbach vorstellt, dass jeder, der ein englisches Wort benützt, künftig eine Geldstrafe bezahlen soll», sagte er der Netzeitung. Sprache sei «etwas Lebendiges und nichts Statisches». Steinbachs Versuch, sie «einzufrieren», sei «abwegig».

Beck betonte, er sei für die «Freiheit der Sprache». Dazu gehöre auch, dass man «aus anderen kulturellen Umfeldern und Sprachen Wörter entlehnt», erläuterte der Grünen-Politiker. «Deshalb setzen wir uns auf das 'récamière' und nicht auf die 'Langbank' und gehen nicht ins 'Tanzlokal', sondern manchmal sogar in die 'Diskothek', und dabei fassen wir uns an die 'Nase' und nicht an den 'Gesichtserker'.»

Beck äußerte in diesem Zusammenhang die Vemutung, dass auch Steinbach nicht gänzlich auf entlehnte Wörter verzichte. «Vielleicht legt selbst Frau Steinbach unbeobachtet etwas Rouge auf», sagte er.

 
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