netzeitung.deKritik an Schönbohms Parolen gegen Muslime

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Musliminnen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Musliminnen
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SPD und Grüne haben mit scharfer Kritik auf Äußerungen von Innenminister Schönbohm reagiert. Der CDU-Politiker hatte verfassungskritischen Muslimen die Ausreise nahe gelegt.

Von Dietmar Neuerer

Islamkritische Äußerungen des brandenburgischen Innenministers Jörg Schönbohm (CDU) sorgen für Empörung bei SPD und Grünen. Schönbohm hatte Muslime, die Koran und Verfassung nicht für vereinbar halten, zum Verlassen des Landes aufgefordert.

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Dieter Wiefelspütz, wies die Drohung des Ministers als lebensfremd zurück. Das habe mit der Lebenssituation der Betroffenen nichts zu tun, sagte er der Netzeitung. «Da kann man nicht mit Parolen arbeiten.»

Grünen- Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck warnte vor einem Generalverdacht gegen Einwanderer aus islamischen Ländern. Wegen «ein paar problematischen, radikalen» Muslimen in Deutschland, solle Schönbohm nicht so tun, «als ob der Islam und die Muslime generell ein Problem» seien, sagte Beck der Netzeitung. «Ausreise- und Ausweisungsdrohungen klingen wie ein Davonlaufen vor den Integrationsproblemen.»

Schönbohm hatte der Netzeitung gesagt, Ausländer müssten wissen, dass Deutschland anders sei als andere Länder. «Wer nicht gewillt ist, das zu akzeptieren, tut sich und tut uns einen Gefallen, wenn er wieder geht.» In Deutschland könne nur derjenige «dauerhaft» leben, der bereit sei, sich zu integrieren.

«Für mich bedeutet Integration in diesem Zusammenhang das Erlernen der deutschen Sprache, die Erkenntnis, dass wir in Deutschland leben und nicht in Multikultistan», erläuterte der Minister. Auf die Frage, ob die muslimischen Einwanderer ein besonderes Problem darstellen, sagte Schönbohm: «Bezogen auf die Integration, ja.»

Er begründete seine Einschätzung mit Hinweis auf verschiedene Untersuchungen. In einer Befragung des Zentralinstituts Islam-Archiv Deutschland hätten laut Schönbohms Darstellung 21 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime die Meinung vertreten, das Grundgesetz sei nicht mit dem Koran vereinbar. «Allein diese Aussage macht deutlich, wie wichtig es ist, dass ein Einbürgerungsgespräch auf eine breitere Grundlage gestellt wird», betonte Schönbohm. «Eine Loyalitätserklärung zu unserer Verfassung allein reicht bei weitem nicht aus.»