Koalition uneins über Pläne gegen Zwangsehen
Baden-Württembergs Justizminister Ulrich Goll (FDP) unterstützt das Vorhaben Schäubles, nannte dessen Vorschlag aber «ein bisschen extrem». Das Problem sei, dass von Zwangsehen Minderjährige, also Frauen unter 18 Jahren, betroffen seien, sagte der Minister der Netzeitung. «Deswegen halte ich nichts davon, über das Ziel hinauszuschießen.» Goll schlug ein Nachzugsalter für Ehepartner von 18 Jahren vor. «Außerdem sollten ausreichend Deutschkenntnisse nachgewiesen werden.»
Anlass dafür sind elf Richtlinien der Europäischen Union (EU), die in diesem Jahr in nationales Recht umgesetzt werden müssen. Ende März will Schäuble ohnehin evaluieren, welchen Nutzen das seit Januar 2005 geltende Gesetz hat. «Es muss klar sein, welche Integrationsmaßnahmen sich nicht bewährt haben», so Bosbach.
Unterdessen forderten Politiker in der Debatte um Einbürgerungstests, einwanderungswilligen Ausländern eine DVD mit für sie ungewohnten landestypischen Szenen zu präsentieren. Vorbild seien die Niederlande, wo Ausländer, die dauerhaft im Land leben wollten, solche DVDs zugeschickt bekämen. «Zur Integration gehören nicht nur Deutschkurse, sondern auch die ganze Lebenswirklichkeit unseres Landes. Das sollte schon vor der Einreise vermittelt werden», sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Reinhard Grindel laut «Bild».
Auch freizügigere Szenen sollen demnach Inhalt einer solchen DVD sein. «Denn in einigen muslimischen Staaten steht sogar die Todesstrafe auf Lebens- und Ausdrucksformen, die bei uns anerkannt sind. Dazu zählen beispielsweise sexy Kleidung auf der Love Parade oder auch offene Homosexualität», sagte der CSU-Innenexperte Stephan Mayer dem Blatt zufolge. Ähnlich sieht es auch sein Parteikollege Norbert Geis: «Man kann ja über das Nacktbaden geteilter Meinung sein, aber man muss akzeptieren, dass es so etwas in Deutschland gibt», betonte Geis. (nz)

