Geburtenrate so niedrig wie seit 1945 nicht mehr
15.03.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Das Statistische Bundesamt will die endgültige Zahl für 2005 erst im Sommer bekannt geben, wie eine Sprecherin in Wiesbaden sagte. Früheren Schätzungen der Behörde deuten auf einen Wert zwischen 680.000 und 690.000. Birg sagte, der Trend sei seit langem absehbar gewesen. Projektionsrechnungen könnten die Geburtenzahlen relativ exakt vorhersagen.
Den jüngsten Rückgang erklärte Birg mit den Folgen des Pillenknicks in den 1970er Jahren. «Das Minus liegt daran, dass die Eltern nicht da sind», betonte er. Forscher und Politiker zeigten sich besorgt. «Das ist dramatisch, wir laufen in eine Schere hinein», sagte der Direktor des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther. In Europa weise Deutschland laut Eurostat nach Angaben von 2004 mit 8,5 Geburten je 1000 Einwohner den niedrigsten Wert auf. In Ländern wie Frankreich (12,7) und Großbritannien (12,0) liege die Geburtenziffer jeweils um etwa die Hälfte höher als der deutsche Wert.
Der familienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Johannes Singhammer, forderte einen höheren Stellenwert für die Demographiepolitik. Die Anstrengungen gegen den «freien Fall der Geburten» müssten nach dem Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und den Abbau einer überbordenden Staatsverschuldung im Zentrum der Politik stehen, erklärte der CSU-Politiker in Berlin. Unter anderem müsse die ökonomische Benachteiligung von Familien mit Kindern abgebaut werden. Schließlich sei auch das Anspringen der Konjunktur von den Geburtenraten abhängig. (nz)

