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Schärfe im Streit über «Tal der Wölfe» nimmt zu

21. Feb 2006 17:27
Necati Sasmaz als Polat Alemdar im Film
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Der Streit über den türkischen Film «Tal der Wölfe» reißt nicht ab. Inzwischen droht die CSU sogar mit einem Ende der EU-Beitrittsverhandlungen für die Türkei.

Im Streit über den türkischen Action-Film «Tal der Wölfe» verhärten sich die Fronten. Führende CSU-Politiker plädieren für einen freiwilligen Boykott der Kinobetreiber, Vertreter der in Deutschland lebenden Türken und die FDP sind strikt dagegen.

Mehr in der Netzeitung:
Unions-Politiker und Kirchen riefen die deutschen Kinobetreiber am Dienstag auf, den in ihrer Sicht Gewalt verherrlichenden und antisemitischen Film nicht mehr zu zeigen. Der türkische Verleih Maxximum wies diese Forderung zurück.

Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) forderte die Kinos auf, «Tal der Wölfe» vom Spielplan zu nehmen. Der Film wecke anti-westliche und antisemitische Gefühle. Dies sei gefährlich und müsse «gerade in der jetzt aufgeheizten Atmosphäre nach dem Karikaturen-Streit erhebliche Sorge machen». Beckstein wandte sich aber gegen ein Verbot des Films. Die Meinungsfreiheit gelte auch für «Tal der Wölfe». Zuvor hatte bereits Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) die Kinobetreiber zur freiwilligen Absetzung des Films aufgefordert.

CSU-Generalsekretär Markus Söder stellte im Sender Phoenix sogar eine EU-Aufnahme der Türkei in Frage, wenn sich türkische Politiker nicht klar von dem Film distanzierten.

Bütikofer für Selbstzensur

Auch Grünen-Chef Reinhard Bütikofer appellierte an die Verantwortung der Kinobesitzer, nicht mit dem «offensichtlich hetzerischen Film» Öl ins Feuer zu gießen. «Bei aller Freiheit sollte man an die appellieren, die zuständig sind, verdient Euer Geld anders», sagte Bütikofer dem Sender Phoenix.

Die Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Petra Bahr, appellierte ebenfalls an Kinobetreiber, den Film nicht zu zeigen. Es gehe dabei um einen Akt der freiwilligen Selbstkontrolle. In einer «sehr aufgeheizten Situation» dürfe kein Anlass zur weiteren Eskalation geboten werden. Bahr kritisierte, dass der Film die Prüfstelle FSK habe «passieren» können.


FDP pocht auf Meinungsfreiheit

FDP-Politikerinnen sprachen sich gegen eine Verbannung des Films aus den Kinos aus. Stoiber und andere verhielten sich genauso «wie die Regimes in den arabischen Ländern, die die europäische Meinungs- und Pressefreiheit angreifen», sagte die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin der Netzeitung. Bei dem Streifen verhalte es sich so wie bei den dänischen Karikaturen: Man könne «ihn geschmacklos finden, trotzdem fällt er unter die Presse- und Meinungsfreiheit», sagte das FDP- Präsidiumsmitglied und Vizechefin der Liberalen im Europaparlament.

Bayerns FDP-Chefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger schloss sich der Kritik am CSU-Vorsitzenden an: «Wir sollten uns hüten, im Falle des türkischen Kinofilmes in ein Zensur-Denken zu verfallen, wie dies jetzt Herr Stoiber tut.»

Die geplante Neu-Überprüfung der Altersfreigabe befürwortet Leutheusser-Schnarrenberger dagegen. «Es ist sinnvoll, noch einmal genau nachzuschauen, ob der Inhalt des Filmes für Jugendliche geeignet ist. Dies ist jedoch Aufgabe der FSK-Behörde, nicht des Bayerischen Ministerpräsidenten», sagte sie.

Bilderschau:
Die Türkische Gemeinde zu Berlin (TGB) nannte die Politik Stoibers «verlogen». Er habe auch nicht die Absetzung von US-Propaganda-Actionfilmen verlangt, die sich gegen Russen oder Asiaten wendeten. Bahadir Özdener, einer der Drehbuchautoren, verteidigte den Streifen im Türkischen Programm der Deutschen Welle. Er sei ein «Anti-Kriegsfilm und keinesfalls antisemitisch». Der Film richte sich gegen den Krieg, die Besatzung des Iraks und Menschenrechtsverletzungen.

Der Ehrenvorsitzende der liberalen türkisch-deutschen Vereinigung, Mehmet Daimagüler, bezeichnete ein Verbot als kontraproduktiv. Er sei aber besorgt, dass so viele «türkische Familien in die Kinos pilgern», sagte er im Deutschlandradio Kultur.

Der Bundesverband Regie (BVR) forderte eine Versachlichung der Diskussion. Ob ein Film gut oder schlecht, antiamerikanisch oder antiislamisch ist, sei kein Argument für eine Zensur oder Selbstzensur. Soweit keine strafrechtlichen Grenzen überschritten würden, stehe es dem Regisseur Sedar Akar frei, auch mit anti-amerikanischen Klischees zu arbeiten. (nz)

 
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