Schärfe im Streit über «Tal der Wölfe» nimmt zu
21.02.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) forderte die Kinos auf, «Tal der Wölfe» vom Spielplan zu nehmen. Der Film wecke anti-westliche und antisemitische Gefühle. Dies sei gefährlich und müsse «gerade in der jetzt aufgeheizten Atmosphäre nach dem Karikaturen-Streit erhebliche Sorge machen». Beckstein wandte sich aber gegen ein Verbot des Films. Die Meinungsfreiheit gelte auch für «Tal der Wölfe». Zuvor hatte bereits Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) die Kinobetreiber zur freiwilligen Absetzung des Films aufgefordert.
CSU-Generalsekretär Markus Söder stellte im Sender Phoenix sogar eine EU-Aufnahme der Türkei in Frage, wenn sich türkische Politiker nicht klar von dem Film distanzierten.
Die Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Petra Bahr, appellierte ebenfalls an Kinobetreiber, den Film nicht zu zeigen. Es gehe dabei um einen Akt der freiwilligen Selbstkontrolle. In einer «sehr aufgeheizten Situation» dürfe kein Anlass zur weiteren Eskalation geboten werden. Bahr kritisierte, dass der Film die Prüfstelle FSK habe «passieren» können.
Bayerns FDP-Chefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger schloss sich der Kritik am CSU-Vorsitzenden an: «Wir sollten uns hüten, im Falle des türkischen Kinofilmes in ein Zensur-Denken zu verfallen, wie dies jetzt Herr Stoiber tut.»
Die geplante Neu-Überprüfung der Altersfreigabe befürwortet Leutheusser-Schnarrenberger dagegen. «Es ist sinnvoll, noch einmal genau nachzuschauen, ob der Inhalt des Filmes für Jugendliche geeignet ist. Dies ist jedoch Aufgabe der FSK-Behörde, nicht des Bayerischen Ministerpräsidenten», sagte sie.
Der Ehrenvorsitzende der liberalen türkisch-deutschen Vereinigung, Mehmet Daimagüler, bezeichnete ein Verbot als kontraproduktiv. Er sei aber besorgt, dass so viele «türkische Familien in die Kinos pilgern», sagte er im Deutschlandradio Kultur.
Der Bundesverband Regie (BVR) forderte eine Versachlichung der Diskussion. Ob ein Film gut oder schlecht, antiamerikanisch oder antiislamisch ist, sei kein Argument für eine Zensur oder Selbstzensur. Soweit keine strafrechtlichen Grenzen überschritten würden, stehe es dem Regisseur Sedar Akar frei, auch mit anti-amerikanischen Klischees zu arbeiten. (nz)

