CDU-Experte kritisiert «heimatlose» Manager
21.02.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Laurenz Meyer
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
In die Debatte um eine deutsche Leitkultur sollten nach Meinung des CDU-Wirtschaftsexperten Meyer auch die deutschen Unternehmen einbezogen werden. Die Junge Union fordert, CDU-Werte müssten wieder die Gesellschaft prägen.
Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Laurenz Meyer, hat sich für eine Wertedebatte ausgesprochen, in der auch die Rolle deutscher Firmen beleuchtet wird. «Auch Manager müssen erkennen, dass es eine gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmens gibt», sagte der CDU-Politiker der Netzeitung. «Wenn man manche Äußerung über geplanten Personalabbau verfolgt kann man den Eindruck gewinnen, dass ein Teil der Manager als Folge der Globalisierung gedanklich 'heimatlos' geworden ist», beklagte der frühere Generalsekretär der Christdemokraten.
Meyer plädierte dafür, eine Werte-Debatte «mit oder ohne den Begriff Leitkultur» zu führen. «Wir sollten darüber reden, was unsere Gesellschaft prägt und welche Werte unser Zusammenleben prägen sollen», sagte er. «Ich bin überzeugt, dass dies eine wichtige Diskussion ist.»
«Im Leeren verklungen»Mit Blick auf die Grundsatzdebatte seiner Partei forderte Meyer auch eine Diskussion über die Frage, «wie das Spannungsfeld von Freiheit, mehr Verantwortung und mehr Gerechtigkeit, auch der sozialen Verantwortung des Staates zu sehen» sei. Eine andere «Kernfrage» sei, «wo die Grundwerte in unserer Gesellschaft - verglichen mit anderen Gesellschaftsformen - liegen», sagte der CDU-Politiker. Das berühre die Religionsfreiheit genauso wie die Meinungsfreiheit oder das Thema Toleranz. Meyer betonte: «Es ist wichtig, dass die CDU darüber sehr umfassend mit ihren Mitgliedern diskutiert, damit sie auch als Partei ihre eigenen Linien in der Großen Koalition sichtbar macht.»
Die Junge Union (JU) riet der CDU, sie müsse als Volkspartei wieder die Kraft entwickeln, die Gesellschaft zu prägen. «Das haben wir in den letzten Jahren zu wenig getan. Viele Ankündigungen - geistig moralische Wende, Patriotismus, Leitkultur - sind immer im Leeren verklungen», sagte JU-Chef Philipp Mißfelder der «Leipziger Volkszeitung».
Massenarbeitslosigkeit Gleichwohl wies Mißfelder darauf hin, dass für den Erfolg der CDU und ihrer Parteichefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht ein neues Grundsatzprogramm, sondern ein Rückgang der Arbeitslosigkeit entscheidend sei. «Gemessen wird diese Regierung, und mit ihr Angela Merkel, nur daran, ob es ihr gelingt, die Massenarbeitslosigkeit sehr deutlich unter die Fünf-Millionen-Grenze zu drücken. Sonst hilft uns auch die Grundwertedebatte nicht weiter», sagte er.