Solidarität mit «Tagesspiegel»-Karikaturist
15. Feb 2006 10:13, ergänzt 13:22
 |  Solidaritätserklärung im Tagesspiegel | Foto: screenshot/nz |
|
Karikaturisten und Medienpolitiker haben «Tagesspiegel»-Zeichner Stuttmann ihre Unterstützung versichert. Es sei bestürzend, dass er wegen einer Karikatur mit dem Tod bedroht werde.
Medienpolitiker haben sich entsetzt über die Drohungen gegen den «Tagesspiegel»-Karikaturisten Klaus Stuttmann gezeigt und Forderung der iranischen Botschaft nach einer Entschuldigung kritisiert. «Die Morddrohungen und die verbalen Attacken gegen den 'Tagesspiegel' sind absolut inakzeptabel», sagte der medienpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Jörg Tauss, der «Berliner Zeitung». Im Rahmen der Pressefreiheit müssten solche Karikaturen möglich sein.
Stuttmann hatte als ironische Anspielung auf das Thema Bundeswehreinsatz bei der Fußball-WM eine Zeichnung für den «Tagesspiel» angefertigt, auf der iranische Fußballspieler mit Sprengstoffgürteln neben Bundeswehrsoldaten zu sehen waren. Das hatte Protest in Iran hervorgerufen.Zwar sei der Zeitpunkt der Veröffentlichung angesichts des Streits um die Mohammed-Karikaturen unglücklich, sage Tauss. Dies könne aber kein Grund für Einschüchterungen sein.
«Drohkulisse»
Der Unionsexperte für Medien, Wolfgang Börnsen, sagte, es sei «unvertretbar, was für eine Drohkulisse gegenüber deutschen Redaktionen aufgebaut wird. Hier wird gezielt ein Konflikt geschürt». Der medienpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Christoph Waitz, forderte dazu auf, sich klar auf die Seite Stuttmanns zu stellen: «Er braucht unsere Solidarität, und die Auseinandersetzung verdient eine klare und eindeutige Stellungnahme für die Kunst- und Pressefreiheit.» Die medienpolitische Sprecherin der Grünen, Grietje Bettin, sagte, die Bedrohung sei «völlig irrational, aber jeder Karikaturist mit Familie wird sich jetzt überlegen, ob er noch Karikaturen wagt, die den Islam oder islamische Staaten zum Thema machen. Sie dürfen sich aber nicht einschüchtern lassen».
Karikaturisten zeigen sich solidarisch
Zahlreiche andere deutsche Karikaturisten unterstützten Stuttmann ebenfalls. In einem Solidaritätsschreiben, das der «Tagesspiegel» am Mittwoch abdruckte, heißt es: «Mit Bestürzung haben wir von den einschüchternden E-Mails und Anrufen, ja sogar Morddrohungen erfahren», die an den Zeichner nach Veröffentlichung seiner WM-Karikatur gegangen seien. «Als Karikaturisten haben wir die Aufgabe, alle Probleme und Konflikte, die die Öffentlichkeit und somit auch uns bewegen, zu kommentieren, seien sie politischer, gesellschaftlicher oder auch kultureller Art.» Ironie, Übertreibung und Kritik seien ein normaler und notwendiger Bestandtteil der Darstellung. «Würden wir durch den Druck von außen oder auch durch die eigene ihm vorauseilende Selbstzensur ständig wachsende Zugeständnisse bei der Wahl der Themen oder Mittel machen müssen», warnen die Unterzeichner der Erklärung, «so wäre das Medium Karikatur bald am Ende.»
Neue Karikatur
Im «Tagesspiegel» vom Mittwoch erschien eine neue Karikatur von Klaus Stuttmann. Er zeigt aufeinander schimpfende und wild gestikulierende Hühner. Ein Hahn, der in die Richtung geht, in die ein Schild mit der Aufschrift «Stallpflicht» zeigt, sagt zu den Streithennen: «Kommt, es reicht! Es gibt zur Zeit Wichtigeres, als sich über Karikaturen zu streiten...!!» (nz)