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Lupe Führende CDU-Politiker drohen Muslimen

Führende CDU-Politiker haben Muslim-kritische Äußerungen des baden-württembergischen Europaministers verteidigt. Auch sie forderten, Muslime sollten bei mangelnder Verfassungstreue das Land verlassen.

Von Dietmar Neuerer

Die umstrittenen Äußerungen von Baden-Württembergs Europaminister Willi Stächele (CDU) zur angeblich mangelnden Verfassungstreue vieler Muslime sind auf Zustimmung bei führenden Unions-Politikern gestoßen. «Von jedem Ausländer, der hier lebt, erwarte ich, dass er auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung steht. Falls nicht, kann ich nicht nachvollziehen, warum derjenige dann in Deutschland seinen Lebensmittelpunkt gewählt hat», sagte der Generalsekretär der brandenburgischen CDU, Sven Petke, der Netzeitung.

Ähnlich äußerte sich der Chef der Jungen Union Baden-Württemberg, der CDU-Bundestagabgeordnete Thomas Bareiß. Er nannte es gegenüber der Netzeitung eine «bösartige Auslegung», sollten Moslems behaupten, der Koran sei nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. «Sollten davon entsprechende Handlungen abgeleitet werden, muss man die Frage stellen, ob derjenige oder diejenige die deutsche Staatsbürgerschaft bekommt und längerfristig hier leben kann.»
«Hier isch die Fahrkart!»
Stächele hatte bei einer Wahlkampfveranstaltung am Samstag in Eningen laut Regionalfernsehsender RTF.1 gesagt: «Der Kollege Innenminister (Heribert) Rech (CDU) hat mir gesagt, mittlerweile haben wir von den hier lebenden Moslems 21 Prozent die sagen, der Koran ist nicht mit dem Grundgesetz vereinbar - das macht mich schon stutzig. Die 21 Prozent sollen gefälligst wieder weggehen. Das sag ich in aller Deutlichkeit, und da nehm ich auch kein Blatt vor den Mund. Es kann nicht sein, dass ich mich entschuldigen muss für das deutsche Grundgesetz. Da muss die erste Frage sein: Zählen Sie zu denen, die Schmerzen empfinden, wenn sie vom Grundgesetz hören? Ja? Hier isch die Fahrkart!»

Die Grünen legten Stächele daraufhin den Rücktritt nahe. «Wenn er die Äußerungen nicht korrigiert, ist er in seinem Amt nicht mehr haltbar», sagte der Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, der Netzeitung. Er verlangte, Stächele müsse sich «sofort entschuldigen». Die Äußerungen seien «ungeheuerlich». Dadurch werde «ein bisschen» die Diskussion um den Muslimtest «entlarvt», sagte der Grünen-Politiker. «Und zwar, wohin solche diskriminierenden Diskussionen führen.»

Kritik an Umgang mit Ausländerrecht
Südwest-JU-Chef Bareiß wies Becks Forderung als «billige Polemik» zurück. Es sei «Blödsinn», den Rücktritt Stächeles zu fordern. Der brandenburgische CDU-Generalsekretär Petke sagte, er könne die Äußerungen des Europaministers «nachvollziehen». «Wir haben in Deutschland Zehntausende, die unsere freiheitlich demokratische Grundordnung massiv bekämpfen», erläuterte er und kritisierte in diesem Zusammenhang den «zum Teil laxen Umgang» mit dem Ausländerrecht.

Petke sprach sich dafür aus, für diejenigen die Ausreise aus Deutschland zu erwirken, die Organisationen wie der Hamas oder Al Qaeda angehören oder mit ihr in Verbindung stehen. «Leute, die nachweislich Camps dieser Organisationen besuchen und sich zu Terroristen ausbilden lassen, müssen bestraft werden und sollten das Land verlassen», sagte er.

Stächele hatte sich vor dem Hintergrund einer Diskussion um den Einbürgerungstest in Baden-Württemberg geäußert. Sein Parteifreund Bareiß betonte in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit eines solchen Fragebogens. «Ich halte den Test für richtig und wichtig», sagte der CDU-Politiker. Es sei «legitim», Fragen zu stellen, wenn jemand Deutscher werden wolle. Die «demokratische Basis» müsse nachgewiesen werden. Diese setze ein «Grundwissen» der Einbürgerungswilligen über die gesellschaftlichen Werte in Deutschland voraus. Der JU-Chef stellte klar: «Alle Bevölkerungsgruppen, die eingebürgert werden wollen, müssen sich einem Test unterziehen.»