Irak-Geiseln: Deutschland appelliert an Kidnapper: 

netzeitung.dePolitik und Wirtschaft appellieren an Kidnapper

 Herausgeber: netzeitung.de

Horst Köhler (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Horst Köhler
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Bundespräsident Köhler hat sich an die Entführer der deutschen Geiseln gewandt und um deren Freilassung gebeten. Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft baten in einer gemeinsamen Erklärung alle Bürger im Irak um Hilfe.

Bundespräsident Horst Köhler hat an die Entführer appelliert, die deutschen Geiseln freizulassen. Er betrachte die Entwicklung mit großer Sorge, sagte das Staatsoberhaupt am Freitag in Berlin. Sein ganzes Mitgefühl gelte den Familien und Müttern. Köhler zeigte sich überzeugt, dass die Bundesregierung und der Krisenstab alles ermöglichten, um die Geiseln wieder in Freiheit zu bekommen.

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) wandte sich mit einem eindringlichen Aufruf an die Kidnapper. Seine Bitte um Freilassung der zwei Leipziger wurde am Freitag von arabischen Fernsehsender Al Dschasira gesendet.

Steinmeier sagte, bisher sei es nicht gelungen, direkt Kontakt mit den Entführern aufzunehmen. Es gebe keinen neuen Erkenntnisstand, sagte auch der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg. Die Bundesregierung setze weiterhin alles daran, die beiden Ingenieure frei zu bekommen.

Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft baten alle Bürger im Irak, Einfluss auf die Entführer zu nehmen und sich für die Freilassung und den Schutz der beiden deutschen Geiseln einzusetzen. In einer gemeinsamen Erklärung wiesen DIHK, BDI, ZDH, BDA und BGA am Freitag darauf hin, dass deutsche Firmen im Irak engagiert seien, um zum Beispiel die Elektrizitäts-, Wasser- und Gesundheitsversorgung wiederherzustellen. Damit leisteten sie einen wichtigen Beitrag für den Wiederaufbau.

«Deutsche Firmen und ihre Mitarbeiter haben stets die Botschaft mitgenommen, dass ihre Leistungen bei der irakischen Bevölkerung willkommen sind», hieß es weiter. Die Unternehmen wollten auch in Zukunft zur Stabilisierung des Landes beitragen. «Dazu brauchen sie die Gewissheit, dass ihre Mitarbeiter im Irak sicher sind», erklärten die Verbände. «Nur eine positive Lösung des Entführungsfalles kann ihnen diese Gewissheit geben.» Daher appellierten sie an alle Iraker, die Verantwortung in ihrem Land trügen, sich vernehmlich gegen die Entführung von Mitarbeitern ausländischer Unternehmen auszusprechen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel habe am Donnerstagabend auch die Teilnehmer der Koalitionsrunde kurz über den Stand der Dinge unterrichtet. Dabei habe sie deutlich gemacht, dass es sich um eine «sehr ernste und schwierige Situation» handele, sagte Steg.

Das Auswärtige Amt wies eine Aussage des CSU-Generalsekretärs Markus Söder ausdrücklich von sich, nach der Kontakte zu den Kidnappern bestünden. Ihm sei nicht bekannt, auf welche Informationen sich dies stütze, sagte Außenamtssprecher Jens Plötner.

Auf Spekulationen darüber, wann genau das Ultimatum der Kidnapper ausläuft, wollte Plötner sich nicht einlassen. Er begrüßte die Solidaritätsbekundungen in der Heimat der Entführten. Sie zeigten den Familien und Angehörigen, dass sie ihn ihrem Leid nicht allein seien. Wie wirksam Appelle wie jene der Mütter der Entführten seien, könne nur gemutmaßt werden, sagte er. In früheren Fällen hätten sie Positives bewirkt, doch sei jeder Fall anders. (nz)