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Beck fordert: Muslime müssen Satire ertragen

02. Feb 2006 09:38
Mohammed-Satire: Nachdruck in französischer Zeitung
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Die massiven Proteste in arabischen Ländern gegen Mohammed- Karikaturen stoßen bei den Grünen auf Unverständnis. Meinungsfreiheit gelte «auch in der Auseinandersetzung mit religiösen Dingen», sagte Grünen-Politiker Beck.

Thema: Mohammed-Satire
Der Geschäftsführer der Grünenfraktion im Bundestag, Volker Beck, hält die Proteste gegen die in verschiedenen europäischen Zeitungen veröffentlichten Mohammed-Karikaturen für überzogen. «Wer wegen einer unangemessenen Mohammed-Karikatur mit Bombe im Turban mit Bombendrohung reagiert, gibt denen Recht, die dieses Bild für eine Beschreibung des Islam halten», sagte Beck der Netzeitung. «Hier ist zuallererst eine Stellungnahme gegen Gewalt und gegen die Billigung von Gewalt gefordert.»

Beck appellierte vor diesem Hintergrund an die deutschen Muslime, die Meinungsfreiheit in Deutschland anzuerkennen, zu schätzen und zu verteidigen. «Nicht alles, was unbestraft bleibt, muss man schon für geschmackvoll und akzeptabel halten», sagte er. «Meinungsfreiheit meint aber gerade, dass nicht nur die von allen akzeptierten Meinungen und Haltungen geäußert werden dürfen.» Beck betonte: «Muslime müssen genau so wie die christlichen Kirchen und Juden Kritik und Satire ertragen.» Bei allen religiösen Bekenntnissen müsse «die gleiche Elle angelegt» werden. «Die Meinungsfreiheit gilt auch in der Auseinandersetzung mit religiösen Dingen.»

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Beck verwies in diesem Zusammenhang auf drastische Karikaturen aus mehreren arabischen Ländern, in denen Israelis und Juden als kindermordende Nazis und als Betreiber des Konzentrationslagers Auschwitz dargestellt werden. Gegen solche «oft antisemitischen Karikaturen» habe niemand in der arabischen Welt protestiert, erläuterte er.

Volker Beck
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Der Grünen-Politiker hatte sich in der Vergangenheit wiederholt für die Aufhebung des Gotteslästerungs- Paragraphen in Deutschland ausgesprochen. Er komme aus Köln, einer Stadt, in der Karneval und katholische Kirche immer wieder aneinander gerieten, sagte Beck. «Als der Tünnes in der Stunksitzung ans Kreuz genagelt wurde, und Katholiken sich erregten, fand ich, dass das kein Fall für den Staatsanwalt ist, sondern der alte Gotteslästerungsparagraph endlich auf den Misthaufen der Rechtsgeschichte gehört.»

Hintergrund:
In den vergangenen Tagen hatten Tausende Palästinenser gegen die Karikaturen demonstriert. In Saudi-Arabien werden dänische Produkte inzwischen aus Protest boykottiert. Arabische Minister haben die dänische Regierung aufgefordert, die Zeitung «Jyllands-Posten» für die Veröffentlichung zu bestrafen. Deren Chefredakteur bedauerte mittlerweile, «viele Moslems verletzt» zu haben.

Die Zeichnungen waren im September in Dänemark publiziert und vor kurzem in Norwegen nachgedruckt worden. Die dänische Zeitung hat sich zwar inzwischen für die Veröffentlichung entschuldigt, die Proteste reißen jedoch nicht ab.

Eine der Karikaturen zeigt Mohammed mit einem Turban in Gestalt einer Bombe samt brennender Zündschnur. Auf einer weiteren Zeichnung hat er ein Schwert in der Hand.

 
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