netzeitung.deLehrer für Deutsch-Pflicht auf Schulhöfen

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Schüler (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

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Der Deutsche Lehrerverband hat sich dafür ausgesprochen, bundesweit Deutsch zur Pflichtsprache auf Schulhöfen zu erheben. Dies sei ein «pädagogisch sinnvolles Mittel», sagte Verbandschef Kraus.

Die Anordnung an einer Berliner Realschule, auf dem gesamten Schulgelände ausnahmslos Deutsch zu sprechen, stößt auf Zustimmung beim Deutschen Lehrerverband (DL). «Grundsätzlich halte ich das für eine vernünftige und sinnvolle Maßnahme, weil es der Integration von Migrantenkindern dient», sagte DL-Vorsitzender Josef Kraus der Netzeitung. Die Deutsch-Pflicht könnte auch helfen, die Entstehung von Parallelgesellschaften zu verhindern.

Kraus plädierte allerdings aus juristischen Gründen dafür, die Deutschpflicht von der Zustimmung der Eltern abhängig zu machen. Nur auf die Eigenverantwortlichkeit der Schulleitung zu setzen, wie dies der Berliner Senat tue, reiche nicht aus. «Natürlich wird der Senat bei einer juristischen Auseinandersetzung auf die Nase fallen», sagte er. Deshalb sei es notwendig die Eltern vor allem im Hinblick auf Sanktionen für die Schüler einzubeziehen. Dann sei auch die Pflicht, Deutsch zu sprechen, «als sanfter moralischer Druck ein pädagogisch sinnvolles Mittel». Ein gerichtlicher Streit um die Verfassungskonformität dieser Regelung würde hingegen «die integrativen Bemühungen konterkarieren».
Kommunikationsreife erwerben
Kraus gab zudem zu bedenken, dass eine Deutsch-Pflicht erst dann sinnvoll sei, wenn «unser Bildungssystem jedem Migranten die Chance bietet, in Intensivkursen möglichst rasch die Kommunikationsreife im Deutschen zu erwerben». Derzeit werde darüber gestritten, wer die Kosten für solche Kurse übernehmen solle, sagte er und mahnte die Beteiligten, die Sprach-Angebote zu keiner «sozialen Barriere und finanziellen Hürde» zu machen. «Die Schulen sollten die Möglichkeit haben, die Aufnahme eines Schülers vom Bestehen der Prüfung im Fach Deutsch abhängig zu machen.»

Die Berliner Regelung zur Deutsch-Pflicht auf dem Schulhof bezieht sich auf die Herbert-Hoover-Realschule im Stadtteil Wedding. Laut Angaben der Senatsschulverwaltung wurde die Hausordnung vor anderthalb Jahren gemeinsam mit den Eltern entsprechend geändert.

Grüne kritisieren Regelung
Die Schüler der Realschule mussten demnach die Verpflichtung zum Deutschsprechen unterschreiben. In der Hausordnung heißt es: «Die Schulsprache unserer Schule ist Deutsch, die Amtssprache der Bundesrepublik Deutschland. Jeder Schüler ist verpflichtet, sich im Geltungsbereich der Hausordnung nur in dieser Sprache zu verständigen.» Als Geltungsbereich werden nicht nur die Schule und der Schulhof genannt, sondern auch Klassenfahrten und Wandertage.

Der Berliner Grünen-Abgeordnete Özcan Mutlu bewertete die Vorschrift als einen Verstoß gegen das Grundgesetz. Die türkische Zeitung «Hürriyet» wirft der Schule Diskriminierung der großen Mehrheit der Schüler vor. Rund 90 Prozent der dortigen Schüler haben Deutsch nicht als Muttersprache.

Berliner Türken empört
Auch die Berliner Türken kritisierten die Deutsch-Pflicht scharf. «Niemand, auch der Schulsenator oder ein Schulleiter darf eine Sprache verbieten», heißt es in einer Stellungnahme des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg. Es sei auch nicht nachvollziehbar, welches pädagogische Ziel diese Maßnahme verfolge. Mit solchen Verboten bediene man ungewollt bestimmte Ressentiments in der Mehrheitsbevölkerung und trage sicherlich nicht zum friedlichen Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen bei.

Für das Web ediert von Dietmar Neuerer