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Fall Chrobog: «Sie haben ihr Wort gebrochen»

04. Jan 2006 16:41
Jürgen Chrobog und seine Frau Magda
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Während der Entführung im Jemen befand sich die Familie Chrobog mehrmals in bedrohlichen Situationen. Ihr Sohn Felix hat darüber Tagebuch geführt.

Vier Tage lang war der frühere Außenstaatssekretär Jürgen Chrobog mit seiner Familie in der Gewalt von Entführern im Jemen. In dieser Zeit durchlebten die Geiseln Momente der Angst und fühlten sich zugleich solidarisch mit ihren Entführern. Das hielt der jüngste Sohn Chrobogs in seinem Tagebuch fest, das die «Zeit» in Auszügen veröffentlichte.

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Mehrmals sei die Lage bedrohlich geworden, merkt Felix Chrobog an. Die Entführung selbst habe er zunächst wie auf einem Bildschirm von CNN beobachtet. «Dann kommt die Angst», schreibt der 23-Jährige.

Die Stammesmitglieder sicherten den Geiseln zwar zu, sie als Gäste zu behandeln und ihnen nichts zu tun. Als das jemenitische Militär aber zwei Tage später offenbar den Belagerungsring um das Geisel-Versteck enger zog, stürmten die «Gastgeber» in den Raum. «Sogar die Jüngsten, die Acht- bis Zehnjährigen, sind jetzt bewaffnet», ist in den Notizen zu lesen.

Er und seine Familie seien mit der Zeit zu Vermittlern zwischen Kidnappern und Regierung geworden, schreibt Felix Chrobog. Er habe zwischen Hass und Mitgefühl geschwankt, bekennt er. «Ich merke, dass eine emotionale Beziehung entsteht - der Gedanke, den Menschen hier könne Schlimmes widerfahren, ist nach 49 Stunden Zusammenleben schwer zu ertragen.»

Verständnis und Verachtung

Er verstehe die Forderungen der Geiselnehmer nach der Freilassung inhaftierter Stammesmitglieder, so der Chrobog-Sohn. Zugleich verachte er aber die Methoden, mit denen sie ihre Ziele erreichen wollten.

Die Stimmung kippte gänzlich, als ein Streit innerhalb des Stammes die angekündigte Freilassung der Chrobogs verhinderte. «Scheiß auf die emotionale Bindung, die ich zu den Leuten gefühlt habe - sie haben ihr Wort gebrochen, und Worthalten ist eine der wichtigsten Tugenden in der arabischen Welt. Wenn die Armee wirklich eingreift, werden viele sterben, aber wir können nichts mehr dagegen tun», heißt es in dem Tagebuch.

«Etwas hätte schief gehen können»

In derselben Ausgabe der «Zeit» äußert sich auch Jürgen Chrobog selbst zu den bedrohlichen Situationen während der viertägigen Gefangenschaft als Geisel.

«Es gab immer wieder Momente, in denen etwas hätte schief gehen können», sagte der Wochenzeitung. «In bestimmten Situationen bestand die Gefahr von Irrationalität und von falschen Reaktionen auf beiden Seiten.» (nz)

 
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