21.12.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Bundeswehr-Soldaten auf dem Balkan
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Bundeswehr-Soldaten haben sich den Angehörigen von Terrorverdächtigen Medien zufolge als Journalisten ausgegeben. Der Inhalt der Gespräche landete nicht in der Zeitung, sondern in einem Geheimbericht.
Zwei Soldaten der Bundeswehr haben auf eigene Faust gegen Terrorverdächtige ermittelt und dabei gegen ihre Dienstvorschriften verstoßen. Das Verteidigungsministerium habe die Aufnahme interner Ermittlungen gegen die Soldaten bestätigt, berichtet das Online-Portal «tagesschau.de». Auch die Bundeswehr habe Untersuchungen eingeleitet.
Die Soldaten stehen im Verdacht, sich Angehörigen von Guantanamo-Häftlingen gegenüber als Journalisten ausgegeben und diese ausspioniert zu haben. Im Juli 2003 besuchten sie in Bosnien-Herzegowina eine Frau, deren Mann seit Januar 2002 im US-Gefangenenlager Guantanamo saß. Die Frau gab den angeblichen «Reportern» bereitwillig Auskunft und ließ Fotos von Dokumenten und Familienangehörigen machen. Am selben Tag erschien bei der Bundeswehr in Bosnien-Herzegowina ein nachrichtendienstlicher Bericht mit Fotos und Gesprächsinhalt.
Verbotene «Scheinidentität»Doch solche verdeckten Ermittlungen sind den Soldaten verboten: Zu den Weisungen für das militärische Nachrichtenwesen der Bundeswehr im Einsatzland, gehöre «das Auftreten in Uniform, um die Zugehörigkeit zur Bundeswehr deutlich zu machen», teilte das Verteidigungsministerium mit. Die Annahme einer Scheinidentität sei nicht vorgesehen. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, werden die Soldaten «zur Verantwortung gezogen». (nz)