Muslime gegen Kostenforderungen an Osthoff
19.12.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Gegen mögliche Schadenersatzforderungen an Susanne Osthoff im Zusammenhang mit ihrer Freilassung im Irak formiert sich Widerstand. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Nadeem Elyas, nannte mögliche Rückforderungen von Kosten durch die Bundesregierung «sehr abwegig». Der Staat habe «gewisse Verpflichtungen, kriminelle Handlungen und Straftaten zu unterbinden», kommentierte Elyas entsprechende Überlegungen im Auswärtigen Amt, Osthoff die Kosten ihrer Rettung in Rechnung zu stellen. Dafür müsse der Staat auch aufkommen. «Ich empfinde das als sehr kleinlich», so Elyas.
Der FDP-Innenexperte Max Stadler sagte der Netzeitung, er könne sich «angesichts der Gesamtumstände nicht vorstellen, dass eine Rückforderung von Kosten in Betracht gezogen» werde. Unter Hinweis auf die humanitäre Hilfe, die Osthoff im Irak geleistet habe, fügte er hinzu: «Es wäre völlig unverständlich, wenn sie jetzt mit finanziellen Forderungen belastet würde, nachdem wir froh und glücklich über die Rettung ihres Lebens sind.»
Nach dem Konsulargesetzes ist der Empfänger konsularischer Hilfe zum Ersatz verpflichtet. Es liegt allerdings im Ermessen des Auswärtigen Amts, ob die Kosten geltend gemacht werden. Wie die Netzeitung aus Regierungskreisen erfuhr, sind etwaige Kostenforderungen an Osthoff nicht vom Tisch. Es sei durchaus möglich, dass der Fall «zu einem späteren Zeitpunkt» geprüft werde und gegebenenfalls angefallene Kosten in Rechnung gestellt würden.
Er habe gute Verbindungen zu Bekannten und Freunden in den Irak, sagte Elyas zu den Quellen seiner Informationen. Der Zentralrat selbst unterhalte auch gute Beziehungen zum Verband der Imame im Irak, dem Rat der sunnitischen Gelehrten. Der Zentralrat der Muslime habe dort einen «gewissen Bekanntheitsgrad»
Der Terrorismusforschers Rolf Tophoven ist der Überzeugung, dass die Freilassung der deutschen Archäologin mit großer Wahrscheinlichkeit durch die Zahlung von Lösegeld erreicht worden sei. Es sei «ein offizielles Ritual, zu sagen, wir zahlen nichts», sagte der Leiter des Essener Institutes für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik der Netzeitung. Doch wenn es der Befreiung und dem Leben der Geisel diene, werde «über Zweit- oder Drittkanäle ein Lösegeld geleitet. So kann die Regierung ihr Gesicht wahren», ohne auf Forderungen der Entführer einzugehen. Auch in früheren Entführungs- oder Verschleppungsfällen sei dies so gewesen.
Der Chef der deutschen Muslime, Elyas, stand gemäß eigener Schilderung kurz davor, im Irak selbst mit Geistlichen Führern um die Freilassung von Osthoff zu verhandeln. Am Montagnachmittag habe er im Auswärtigen Amt näheres absprechen wollen. Auch hatte er an seiner Ankündigung festgehalten, als Austauschgeisel «Karte im Ärmel des Krisenstabes» zur Verfügung zu bleiben.

