netzeitung.deMuslime gegen Kostenforderungen an Osthoff

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Nadeem Elyas, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland (Foto: ZMD<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Nadeem Elyas, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland
Foto: ZMD
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Im Fall der aus irakischer Geiselhaft freigelassenen Susanne Osthoff wird über mögliche Lösegeldzahlungen spekuliert. Ob auf die Deutsche Schadenersatzforderungen zukommen, ist zur Zeit noch unklar. Thema: Osthoffs Freilassung Eventuell Schadenersatz- Forderung an Osthoff Politiker erleichtert über Osthoffs Freilassung Freude in der Heimat auf ein «Bier mit Susanne» Tophoven: Lösegeld für Osthoff wahrscheinlich Inlandspresse würdigt «stille» Diplomatie

Von Tilman Steffen und Dietmar Neuerer

Gegen mögliche Schadenersatzforderungen an Susanne Osthoff im Zusammenhang mit ihrer Freilassung im Irak formiert sich Widerstand. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Nadeem Elyas, nannte mögliche Rückforderungen von Kosten durch die Bundesregierung «sehr abwegig». Der Staat habe «gewisse Verpflichtungen, kriminelle Handlungen und Straftaten zu unterbinden», kommentierte Elyas entsprechende Überlegungen im Auswärtigen Amt, Osthoff die Kosten ihrer Rettung in Rechnung zu stellen. Dafür müsse der Staat auch aufkommen. «Ich empfinde das als sehr kleinlich», so Elyas.

Der FDP-Innenexperte Max Stadler sagte der Netzeitung, er könne sich «angesichts der Gesamtumstände nicht vorstellen, dass eine Rückforderung von Kosten in Betracht gezogen» werde. Unter Hinweis auf die humanitäre Hilfe, die Osthoff im Irak geleistet habe, fügte er hinzu: «Es wäre völlig unverständlich, wenn sie jetzt mit finanziellen Forderungen belastet würde, nachdem wir froh und glücklich über die Rettung ihres Lebens sind.»

Von Extremistengruppe gekauft
Die «Financial Times Deutschland» hatte in ihrer Online-Ausgabe berichtet, im Auswärtigen Amt werde geprüft, ob Osthoff die Kosten müsse. «Wir entscheiden im Einzelfall, ob irgendwelche Kosten erstattet werden müssen», sagte ein Sprecher der Zeitung. In der Netzeitung konkretisierte der Sprecher seine Angaben: Die Schadenersatz- Frage stelle sich «zur Zeit nicht», sagte er. «Jetzt geht es vielmehr darum, Frau Osthoff die Unterstützung zu gewähren, die sie braucht.»

Nach dem Konsulargesetzes ist der Empfänger konsularischer Hilfe zum Ersatz verpflichtet. Es liegt allerdings im Ermessen des Auswärtigen Amts, ob die Kosten geltend gemacht werden. Wie die Netzeitung aus Regierungskreisen erfuhr, sind etwaige Kostenforderungen an Osthoff nicht vom Tisch. Es sei durchaus möglich, dass der Fall «zu einem späteren Zeitpunkt» geprüft werde und gegebenenfalls angefallene Kosten in Rechnung gestellt würden.

Osthoff loswerden
Elyas sagte, Osthoff sei deshalb freigelassen worden, weil die Entführer feststellten, dass sie sie fälschlicherweise für eine Agentin gehalten hatten. Die am 25. November im Irak gekidnappte Osthoff sei während der Zeitdauer ihres Verschwindens zudem von einer Entführergruppe an eine andere weiterverkauft worden. «Die erste Gruppe war auf Lösegeld aus. Die zweite, höchstwahrscheinlich islamistisch orientierte, hat sie dann übernommen, weil sie Frau Osthoff für eine Spionin hielten».

Er habe gute Verbindungen zu Bekannten und Freunden in den Irak, sagte Elyas zu den Quellen seiner Informationen. Der Zentralrat selbst unterhalte auch gute Beziehungen zum Verband der Imame im Irak, dem Rat der sunnitischen Gelehrten. Der Zentralrat der Muslime habe dort einen «gewissen Bekanntheitsgrad»

Selbst im Irak nachforschen
Für Osthoffs Freilassung hätten die Kidnapper möglicherweise eine Gegenleistung erhalten, sagte Elyas. Gemäß der offiziellen Äußerung des Auswärtigen Amtes sei kein Lösegeld gezahlt worden, «was nicht ausschließt, dass etwa humanitäre oder soziale Leistungen, etwa für medizinische Einrichtungen, Schulen oder den Straßenbau gegeben hat». Solche Gegenleistungen kenne er von anderen Entführungsfällen, etwa aus dem Jemen. «Die Entführergruppen haben Ideale, für sie hat Patriotismus einen hohen Stellenwert», deshalb nähmen sie als Gegenleistung gern Hilfe bei der Infrastruktur an, sagte Elyas.

Der Terrorismusforschers Rolf Tophoven ist der Überzeugung, dass die Freilassung der deutschen Archäologin mit großer Wahrscheinlichkeit durch die Zahlung von Lösegeld erreicht worden sei. Es sei «ein offizielles Ritual, zu sagen, wir zahlen nichts», sagte der Leiter des Essener Institutes für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik der Netzeitung. Doch wenn es der Befreiung und dem Leben der Geisel diene, werde «über Zweit- oder Drittkanäle ein Lösegeld geleitet. So kann die Regierung ihr Gesicht wahren», ohne auf Forderungen der Entführer einzugehen. Auch in früheren Entführungs- oder Verschleppungsfällen sei dies so gewesen.

«Karte im Ärmel des Krisenstabes»
Die Bundesregierung hatte während der letzten Wochen immer wieder betont, in keiner Weise den Erwartungen der Entführer zu entsprechen. Zugleich hieß es, es gebe keinen Kontakt zu den Geiselnehmern.

Der Chef der deutschen Muslime, Elyas, stand gemäß eigener Schilderung kurz davor, im Irak selbst mit Geistlichen Führern um die Freilassung von Osthoff zu verhandeln. Am Montagnachmittag habe er im Auswärtigen Amt näheres absprechen wollen. Auch hatte er an seiner Ankündigung festgehalten, als Austauschgeisel «Karte im Ärmel des Krisenstabes» zur Verfügung zu bleiben.