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Drewermann nennt Vatikan-Erlass «infam»

24. Nov 2005 16:08
Eugen Drewermann
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Der katholische Theologe Drewermann hat den geplanten Ausschluss Homosexueller von der Priesterweihe scharf kritisiert. Dadurch verschärfe sich das Problem des Priestermangels «dramatisch».

Der katholische Theologe und Philosoph Eugen Drewermann hat Pläne für einen Erlass des Vatikan kritisiert, Homosexuellen die Priesterweihe zu verwehren. «Es ist sehr bedauerlich, dass der Vatikan in einer Welt voller dramatischer Umbrüche sich gewissermaßen mit sich selbst beschäftigt, anstatt angesichts von 40 Millionen Aidskranken sein Verbot vom Gebrauch von Kondomen zurückzunehmen oder angesichts von 50 Millionen Verhungernden seine Einstellung zu Geburtenkontrollen zu revidieren», sagte Drewermann der Netzeitung.

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Drewermann reagierte damit auf ein bereits vorab im Internet verbreitetes Dokument des Vatikan. Demnach will der Heilige Stuhl in Kürze eine «Instruktion über Kriterien zur Unterscheidung der Berufung (zum Priestertum) bei Personen mit homosexuellen Neigungen in bezug auf ihre Zulassung zum Seminar und zu den heiligen Weihen» veröffentlichen.

Homosexualität und Pädophilie

Ausgeschlossen vom Priestertum sind demnach Personen, «die Homosexualität praktizieren, die tief verwurzelte homosexuelle Neigungen zeigen oder sich zur Gay-Kultur bekennen». Dass der Vatikan mit diesem Erlass nach eigenen Angaben auf die jüngsten sexuelle Verfehlungen katholischer Priester reagiert, kritisierte Drewermann scharf: «Als infam muss man empfinden, dass dieses Schreiben als Reaktion auf die zahlreichen Missbrauchsfälle in den USA, Kanada, Irland, Deutschland - wo eigentlich nicht? - deklariert wird», sagte der Theologe. «So als sei Homosexualität mit Pädophilie gleichzusetzen und als gäbe es nicht genauso Fälle heterosexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Kleriker.»

Drewermann zog zudem die Praxistauglichkeit des Erlasses in Zweifel. In dem Dokument des Vatikan heißt es: «Vorübergehende» Neigungen in der Persönlichkeits- Entwicklung müssten drei Jahre vor einer Priesterweihe überwunden sein. Drewermann sagte dazu, es bleibe ein «Geheimnis, wie man die Forderung dreijähriger Enthaltsamkeit von homosexuellen Praktiken administrativ kontrollieren und als wirksame Garantie für die Zukunft interpretieren» wolle, «da man die Zahl der Homosexuellen in den Seminarien vorsichtigerweise zwischen 20 und 50 Prozent schätzt».

Priestermangel

Vielmehr sei es notwendig, dass sich die katholische Kirche aktueller Themen annehme. Drewermann forderte, der Vatikan solle sich von seinem Zölibatskanon und der Pflicht zu sexueller Enthaltsamkeit im Priesteramt verabschieden. Es sei «längst überfällig», dass der Heilige Stuhl seine Zölibatsforderung aufgebe und «ein ehrliches Feld sich entwickelnder Reife und Liebesfähigkeit» ermöglicht. Stattdessen aber bekämpfe die katholische Kirche «unter der Bedingung unveränderter perfider Strukturen die Symptome der eigenen Verdrängungsmoral in den eigenen Reihen».

Drewermann warnte zudem mit Blick auf die personelle Ausstattung der katholischen Kirche vor den negativen Folgen einer Umsetzung des Vatikan-Erlasses. Sollte die Anweisung tatsächlich ernst genommen werden, dürfte sich die «ohnehin prekäre Lage des Priestermangels dramatisch verschärfen», sagte er. «Soviel steht fest: Eine Kirche, die sich vom Steuerzahler in Deutschland unterhalten lässt, steht in der Pflicht, zumindest ihre Seelsorge aufrecht zu erhalten und von psychisch schädigenden Verformungen ihres Personals freizuhalten.» Da helfe nur das «Machtwort Friedrich Schillers: 'Geben Sie (Gedanken) Freiheit, Sir'».

 
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