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Lupe Proteste gegen Bundeswehr-Zapfenstreich

Die Bundeswehr feiert mit einem Großen Zapfenstreich vor dem Berliner Reichstag ihren 50. Geburtstag. Mehr als 1000 Menschen protestieren dagegen im östlichen Berliner Stadtzentrum.

Mehr als 1000 Bundeswehrgegner haben am Abend in Berlin gegen den Großen Zapfenstreich der Bundeswehr protestiert. In einem mehrere hundert Meter langen Zug strömten die überwiegend jungen Demonstranten vom Alexanderplatz in Richtung Reichstag. Dort feiert die Bundeswehr ihren 50. Gründungstag – mit einem historischen Zeremoniell, das an Bräuche aus der Kaiserzeit angelehnt ist.

Die Veranstalter sprachen von 2000 Teilnehmern. Aufgerufen zu den Protesten hatte neben zahlreichen linksgerichteten Gruppen auch der Landesvorstand der Linkspartei. Der Protest verlief bislang störungsfrei.

Die Bundeswehrgegner stellten ihren Protest unter das Motto «50 Jahre Bundeswehr sind 50 Jahre zuviel! Zapfenstreich Abpfeifen!». Auf Plakaten war zu lesen: «Nein zur BRD und ihrer Armee», «70 Prozent meiner Rente für neue Offizierspatente» und «Null-Stunden-Woche in der Rüstungsindustrie».

Ehrung im Bundestag
Außerdem riefen die Demonstranten «Nie wieder Deutschland». Manche von ihnen hatten sich als Clowns oder Kriegsversehrte verkleidet, andere trugen Uniformen oder militärische Helme.

Zuvor hatte die Bundeswehr ihr Gründungsjubiläum mit einer Feierstunde im Bundestag begangen. «Die Bundeswehr ist ein Kind des Kalten Krieges gewesen», sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). «Aber ohne die Bundeswehr wäre der Kalte Krieg sicherlich nicht überwunden worden», fügte er hinzu. Lammert wies auf die Finanznot der Streitkräfte hin. Sie hätten ihre Aufträge immer unter Haushaltsnöten erfüllen müssen.

Auf Bundeswehr angewiesen
Nato-Generalsekretär Jaap De Hoop Scheffer sagte auf der Feier im Bundestag, die globale Bedrohung durch den Terrorismus mache weitere Auslandseinsätze erforderlich. Dafür müssten mehr Soldaten zur Verfügung stehen. Er forderte die notwendigen Mittel, damit die Soldaten mit ihren Aufgaben nicht alleine gelassen würden.

«Auch im Zeitalter des Terrorismus bleiben NATO und Bundeswehr aufeinander angewiesen», erklärte der Generalsekretär. Weder Bundeswehr noch NATO seien heute eurozentrisch ausgerichtet. Sie seien überall einsetzbar, da den Problemen in einer globalisierten Welt dort begegnet werden müsse, wo sie entstünden. Andernfalls kämen sie früher oder später ins eigene Land.

Erstmals seit Jahrzehnten
Von Anfang an habe sich die Bundeswehr «als Bündnisarmee, als Armee der gemeinsamen Werte» verstanden. Die transatlantische Solidarität habe dazu beigetragen, dass aus dem Kalten Krieg nie ein heißer Krieg geworden sei. In diesem Zusammenhang würdigte de Hoop Scheffer den früheren Bundesverteidigungsminister und NATO-Generalsekretär Manfred Wörner. Er sei «der richtige Mann, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit» gewesen.

Erstmals seit Jahrzehnten wieder findet vor dem Reichstag ein derartiges militärisches Zeremoniell statt. Rund um den Platz der Republik vor dem Berliner Reichstag waren 1250 Polizisten und rund 600 Soldaten im Einsatz, um das Zeremoniell vor Störern zu schützen. Zu den Feierlichkeiten innerhalb des weiträumig für den normalen Publikumsverkehr abgesperrten Areals waren rund 4500 geladene Gäste geladen. Auch die Bundespolizei zeigte sich auf den Zufahrtswegen zum Veranstaltungsort.

Zu den Klängen des Yorkschen Marsches, anderer Militärmusik, Bachs «Air» und Beethovens «Ode an die Freude» nahmen Soldaten mit Fackeln in den Händen vor dem Reichstag Aufstellung. Phoenix und das ZDF übertrugen das Ritual live. (nz)