21.10.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Mitautor Kretschmer
Foto: CDU Sachsen
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Mit der Großen Koalition in Berlin unter Führung der Union hoffen Sachsens Christdemokraten auf einen Wertewandel: Mehr Patriotismus und die Nationalhymne in die Lehrpläne, fordern sie in einem Papier.
Zeitgleich zur Anregung von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), ein Leitbild der deutschen Grundwerte zu entwickeln, legen sächsische CDU-Spitzenvertreter ein Thesenpapier zum Thema Patriotismus vor. Normalerweise wäre dies ein Routinevorgang im Vorfeld des Landesparteitags Anfang November, Lammerts Vorstoß verlieh dem sächsischen Denkergebnis jedoch unerwartete öffentliche Aufmerksamkeit: «Ohne Lammerts Interview wären wir hier völlig untergegangen», sagt Mitverfasser Michael Kretschmer, Generalsekretär der sächsischen CDU, der Netzeitung. Lammert greife etwas auf, «was wir auch wollen».
Das zehnseitige Werk beleuchtet in zwölf Kapiteln den Patriotismusbegriff und zieht Vergleiche zum Umgang damit in anderen Ländern. Die Verfasser wollen das Singen der Nationalhymne in Grundschulen in die Lehrpläne schreiben, das Singen des «Deutschlandliedes» zur Selbstverständlichkeit machen, weil es der «Identifizierung der Bürger mit dem Gemeinwesen dient». In dem Papier bekennen sich die Christdemokraten zur europäischen Integration und benennen die Wurzel europäischer Identität: Christentum und Aufklärung. Auch die Grenzen sind definiert: «Die islamische Türkei gehört nicht dazu», heißt es dort.
«Es ist notwendig, das Thema 'Umgang mit dem eigenen Land' zu besetzen und nicht extremistischen Parteien zu überlassen», sagte Kretschmer. Er hoffe auf einen Diskussionsprozess «über Monate und Jahre». Mitautoren sind der sächsische Ex-Wissenschaftsminister Matthias Rößler (CDU) sowie Historiker und ein Vertreter der Kirchen. Auf dem CDU-Landesparteitag am 5. November sollen die Delegierten die Vorlage beschließen.
Deutscher Sonderweg Die Verfasser bedauern, dass in den letzten Jahrzehnten der Begriff Patriotismus «stigmatisiert, mit dem historisch belasteten 'Nationalismus' gleichgesetzt und als rechtsextrem oder zumindest reaktionär diskreditiert» wurde. Der «deutsche Sonderweg» sei gescheitert, «die nach Orientierung in einer globalisierten Welt suchende deutsche Gesellschaft» durch «Multikulturalismus» zusammenzuhalten.
Denn diese Grundhaltung Deutschlands komme «ohne Patriotismus, Nation, nationale Identität, ohne den selbst im Europäischen Verfassungsvertrag erwähnten Nationalstolz» aus, so die Analyse. «Wir wollen ganz grundsätzlich die Frage stellen, wie gehen wir mit dem Vaterland um», sagte Kretschmer. Auch Altbundespräsidenten wie Johannes Rau hätten Patriotismus und Vaterlandsliebe positiv definiert.
Deutungshoheit der AchtundsechzigerDie Verfasser stehen zwar zur historischen Einmaligkeit der Nazi-Verbrechen. Aber auch «eingedenk eigener Schuld... trauern wir um die Opfer der Vertreibung von zwölf Millionen Deutschen aus ihrer Heimat im Osten und um die Opfer des Bombenkrieges gegen unsere Städte», schreiben die Autoren.
«Die herrschende Deutungsdominanz der 'Achtundsechziger' in Medien, Wissenschaft und Schule und die damit verbundene Diskreditierung wertorientierter patriotischer Positionen ist zu überwinden.» Die «geistige Wende» werde nun nach einem Wahlsieg der Union mit Kanzlerkandidatin Angela Merkel möglich.