Millionenprogramm für Todkranke
Das heutige Angebot an Hospizen, Palliativstationen und vor allem an ambulanter Betreuung sei unzureichend. Dies auszubauen, sei «die richtige Antwort auf die Forderungen nach aktiver Sterbehilfe, die wir strikt ablehnen». Die Betreuung solle flächendeckend rund um die Uhr zur Verfügung stehen, sagte Schmidt.
Unheilbar Schwerstkranke, die etwa an Krebs oder Aids leiden, sollen nach ihrem Plan von 330 so genannten Palliativ-Care-Teams aus Ärzten und Pflegekräften zu Hause, aber auch in Kliniken, Pflegeheimen und Hospizen betreut werden. Es sollen vor allem «schwer erträgliche Symptome» wie Schmerzen, Depressionen, Atemnot oder Übelkeit gelindert werden.
Die Teams kosten nach Schmidts Angaben 100 Millionen Euro im Jahr. Medikamente, Heil- und Hilfsmittel kosten weitere 110 Millionen, bessere hausärztliche Versorgung noch einmal 26 Millionen. Das benötigte Geld könne bei Medikamenten an anderer Stelle eingespart werden.
Auch die Unionsfraktion befürwortete den Ausbau von palliativmedizinischer Versorgung und Hospizdiensten und blieb blieb bei ihrem Nein zu aktiver Sterbehilfe. Derartige Forderungen gingen an den wirklichen Anliegen sterbender und unheilbar kranker Menschen vorbei, sagte ihr Sprecher in der Ethikkommission, Thomas Rachel.
Die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Irmingard Schewe-Gerigk, begrüßte Schmidts Ankündigung. Damit könne Menschen die Angst vor einem langen und scherzvollen Sterben genommen werden. Sie äußerte die Erwartung, dass auch die Forderung nach aktiver Sterbehilfe dann deutlich an Unterstützung verlieren würde.
Auch eine Langzeitstudie der Deutschen Hospiz Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass 56 Prozent der Menschen schmerzlindernde Behandlung und Betreuung in der letzten Lebensphase vorziehen, wenn sie diese Möglichkeiten kennen. Nur 35 Prozent befürworten dann aktive Sterbehilfe.
Stiftungsvorstand Eugen Brysch wies darauf hin, dass nur drei Prozent der Bevölkerung mit dem Begriff Palliativmedizin und nur 20 Prozent mit Hospiz etwas anfangen könnten. Mit diesem mangelnden Kenntnisstand erklärte er auch ein Forsa-Umfrageergebnis, wonach 75 Prozent Ärzten erlauben würden, unheilbar Kranken auf deren Wunsch hin ein tödliches Mittel zu verabreichen.
Tatsächlich wünschten sich die Menschen aber Selbstbestimmung bis zuletzt und hätten Angst davor, «elend zu verrecken». Die derzeitige Debatte sei eine «Scheindiskussion», sagte Brysch und lehnte den Vorstoß des Hamburger Justizsenators Roger Kusch (CDU) energisch ab: «Wir brauchen kein Sterbehilfe-Gesetz.» (nz)

