Dass die Hessen-Union damals über eine millionenschwere schwarze Kasse in der Schweiz verfügte, will Jung nicht mitbekommen haben - obwohl auch in seiner Amtszeit Gelder geflossen waren. Allein vier Millionen Mark dienten 1989 - als Vermächtnis getarnt - dem Ankauf der Wiesbadener CDU-Geschäftsstelle. Als die Affäre im Januar 2000 bekannt wurde, geriet der inzwischen zum Chef der Staatskanzlei aufgerückte Christdemokrat rasch unter Verdacht: Journalisten und Oppositionspolitiker hatten noch im Ohr, dass sich Jung gerne rühmte, in der hessischen CDU geschehe nichts ohne sein Wissen. Es war jedoch nicht die Opposition, sondern Kochs Koalitionspartner FDP, der acht Monate später den Rücktritt erzwang. Der Anlass waren zwei zu einem Nebenaspekt der Affäre gehörende Dokumente, deren Kenntnis Jung bis heute bestreitet. Hintergrund waren Medienberichte mit zahlreichen Details aus den Ermittlungsunterlagen, die Koch und die ihn mittragende FDP-Spitze im Spätsommer 2000 erneut unter Druck setzten. «Es rauscht der See und will ein Opfer», zitierte Jung bei seinem Abschied aus Schillers «Wilhelm Tell».
Nach seinem Ausscheiden aus dem Kabinett zog sich Jung auf sein Landtagsmandat und seine Parteitätigkeiten als stellvertretender Landesvorsitzender und Mitglied des CDU-Bundesvorstands zurück. Gleichwohl galt er in Wiesbaden als Politiker in Wartestellung, der sich kaum mit einem Leben als einfacher Abgeordneter begnügen würde - zumal Jung für sich in Anspruch nimmt, mit seinem Rücktritt die Landesregierung gerettet zu haben. (nz)