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Winzersohn und «Wadenbeißer»: 

Koch schickt Vertrauten Jung nach Berlin

17. Okt 2005 11:28
Franz-Josef Jung
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Franz Josef Jung sieht sich selbst als jemanden, der nicht für die «zweite Reihe» bestimmt ist. Nun soll der hessische CDU-Politiker Verteidigungsminister in Berlin werden.

An Selbstvertrauen scheint es dem designierten Verteidigungsminister nicht zu mangeln. Er sei «kein Mann für die zweite Reihe» hatte CDU-Politiker Franz-Josef Jung noch vor der Benennung des Unions-Ministerkabinetts gesagt. Am Montag hat Kanzlerkandidatin Angela Merkel den Winzersohn aus dem Rheingau in die erste Reihe geholt.

Wenn von ihm die Rede ist, fallen bald Wörter wie «Speerspitze» und «Wadenbeißer» - sie zeugen davon, dass der 56-Jährige in der politischen Auseinandersetzungen den Angriff bevorzugt und den Ausdruck «Wahlkampf» vornehmlich auf der zweiten Silbe betont. Dass sein enger Weggefährte und Freund Roland Koch heute hessischer Ministerpräsident ist, liegt mit an Jungs Arbeit: Als Kochs rechte Hand im Landtag heizte er mit scharfer Polemik die Debatten an, und 1998/99 managte er dessen siegreiche Kampagne.

Jura-Studium in Mainz

Seine politische Karriere begann der Winzersohn aus dem Rheingau Anfang der 70er Jahre während des Jura-Studiums in Mainz. Rasch schaffte er es in den Bundesvorstand der Jungen Union, 1983 zog er in den Wiesbadener Landtag ein, vier Jahre später liefen in seiner Hand bereits die organisatorischen Fäden zusammen: Als die CDU 1987 erstmals die Macht in Hessen übernahm, wurde Jung in Personalunion Fraktionsgeschäftsführer und Generalsekretär der Partei.

Nach dem Fall der Mauer leistete Jung politische Aufbauhilfe für die Thüringer CDU. Unter anderem organisierte er 1990 Helmut Kohls ersten Auftritt in Erfurt. Heute rechnet er sich großen Anteil am Wahlsieg der konservativen Demokratischen Allianz an. In Hessen verlief die Kampagne jedoch weniger erfolgreich: 1991 musste die CDU im Wiesbadener Landtag wieder auf die Oppositionsbank zurück und strich den Posten des Generalsekretärs.

Tief in Spendenskandal verwickelt

Dass die Hessen-Union damals über eine millionenschwere schwarze Kasse in der Schweiz verfügte, will Jung nicht mitbekommen haben - obwohl auch in seiner Amtszeit Gelder geflossen waren. Allein vier Millionen Mark dienten 1989 - als Vermächtnis getarnt - dem Ankauf der Wiesbadener CDU-Geschäftsstelle. Als die Affäre im Januar 2000 bekannt wurde, geriet der inzwischen zum Chef der Staatskanzlei aufgerückte Christdemokrat rasch unter Verdacht: Journalisten und Oppositionspolitiker hatten noch im Ohr, dass sich Jung gerne rühmte, in der hessischen CDU geschehe nichts ohne sein Wissen.

Es war jedoch nicht die Opposition, sondern Kochs Koalitionspartner FDP, der acht Monate später den Rücktritt erzwang. Der Anlass waren zwei zu einem Nebenaspekt der Affäre gehörende Dokumente, deren Kenntnis Jung bis heute bestreitet. Hintergrund waren Medienberichte mit zahlreichen Details aus den Ermittlungsunterlagen, die Koch und die ihn mittragende FDP-Spitze im Spätsommer 2000 erneut unter Druck setzten. «Es rauscht der See und will ein Opfer», zitierte Jung bei seinem Abschied aus Schillers «Wilhelm Tell».

Nach seinem Ausscheiden aus dem Kabinett zog sich Jung auf sein Landtagsmandat und seine Parteitätigkeiten als stellvertretender Landesvorsitzender und Mitglied des CDU-Bundesvorstands zurück. Gleichwohl galt er in Wiesbaden als Politiker in Wartestellung, der sich kaum mit einem Leben als einfacher Abgeordneter begnügen würde - zumal Jung für sich in Anspruch nimmt, mit seinem Rücktritt die Landesregierung gerettet zu haben. (nz)

 
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