netzeitung.deSchmidt will Rechtsanspruch auf Sterbebegleitung

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Ulla Schmidt (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ulla Schmidt
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Gesundheitsministerin Schmidt plant eine Gesetzesinitiative zur besseren medizinischen Versorgung für Sterbenskranke. Sie will deren ambulante Versorgung zur Kassenleistung machen.

Todkranke sollen nach Plänen von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) einen gesetzlichen Anspruch auf eine spezialisierte ambulante Hilfe bekommen. «Die meisten Menschen wünschen sich, wenn es soweit ist, in Würde in ihrer häuslichen Umgebung zu sterben», sagte Schmidt.

Nach den Plänen sollen bundesweit 300 bis 350 gemeinsame Teams von Pflegern und Ärzten die Versorgung übernehmen. Diese «multiprofessionellen Teams» sollen den Angehörigen nötigenfalls rund um die Uhr zur Seite stehen. Dazu will Schmidt einen neuen Rechtsanspruch für Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung schaffen.

Verpflichtende Kassenleistung
Die Kassen sollen verpflichtet werden, die «spezialisierte ambulante Palliativversorgung» flächendeckend zu organisieren. Zugleich sollen sie die rechtliche Grundlage bekommen, mit den neuen Teams entsprechend abzurechnen.

Die Teams sollen bis zu sechs Mitglieder umfassen und für rund 250.000 Menschen zuständig sein. Schmidt bezifferte die Mehrkosten des Programms mit rund 100 Millionen Euro. Genaue Aussagen seien derzeit nicht möglich. «Die Erfahrung zeigt, dass freiwillige Absprachen der Ärzte und Pfleger uns kaum weiterbringen», sagte Schmidt. «Einzelabsprachen werden jedenfalls nicht dazu führen, dass die Hilfe für Sterbenskranke wirklich überall besser wird. Da muss der Gesetzgeber ran.»

Die so genannte Palliativpflege konzentriert sich auf die letzte Lebensphase. Heute sterben nach Daten der Bundesärztekammer zum Beispiel 70 Prozent der unheilbar Krebskranken im Krankenhaus, weil die Angehörigen mit der Betreuung zu Hause überfordert sind. Bis zu 80 Prozent könnten nach Schätzung der Ärzte in ihrer gewohnten Umgebung sterben, wenn die Sterbebegleitung professionell organisiert wäre.

Kritik aus Hospizdiensten
Die Deutsche Hospiz-Stiftung kritisierte die Pläne. «Da steht nichts von Umstrukturieren, das ist zusätzliches Geld», sagte der geschäftsführende Vorstand Eugen Brysch. «Woher soll das Geld kommen?»

In Deutschland gibt es mehr als 1000 ambulante Hospizdienste. Im Durchschnitt bleiben Todkranken, denen Ärzte keine Chance auf Heilung mehr geben, nach der Feststellung der tödlichen Erkrankung noch 40 Tage zum Leben. (nz)