31.08.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Kardinal Lehmann
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Die katholische Kirche hat überlebenden Zwangsarbeitern nachträglich Geld gezahlt, die währen des Zweiten Weltkriegs in ihren Einrichtungen beschäftigt waren. Insgesamt wurden damals rund 6000 Menschen zwangsverpflichtet.
Die Katholische Kirche hat mit 1,49 Millionen Euro 587 überlebende Zwangsarbeiter aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs entschädigt. Der Weg eines eigenen Entschädigungsfonds für die Zwangsarbeiter in katholischen Einrichtungen habe sich als richtig erwiesen, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, in Mainz.
Nach Abschluss der Recherchen stehe fest, dass zwischen 1939 und 1945 insgesamt 6.089 Zwangsarbeiter in 937 kirchlichen Einrichtungen gewesen seien.
Darunter seien 4.951 Zivilisten und 1.138 Kriegsgefangene gewesen. Die ursprüngliche Einschätzung, die katholische Kirche habe weniger als ein Promille der insgesamt 7,6 Millionen NS-Zwangsarbeiter beschäftigt, sei recht präzise gewesen, betonte Lehmann: «Gemessen an der Gesamtzahl der Beschäftigten in kirchlichen Einrichtungen bildeten die Zwangsarbeiter nur eine kleine Gruppe.» Die Kirche habe zudem keine KZ-Häftlinge, Strafgefangene oder zur Zwangsarbeit verpflichtete Juden beschäftigt.
Meist gut behandeltDer Vorsitzende der Bischofskonferenz erklärte, die Zwangsarbeiter seien in katholischen Einrichtungen weitgehend gut behandelt worden. Auch gegen den Widerstand der Behörden seien sie seelsorgerlich betreut und im Krankheitsfall gepflegt worden. Daneben habe es allerdings auch «bedrückende Beispiele» gegeben.
So seien in einem Fall zwei erkrankte Zwangsarbeiter in die psychiatrische Klinik von Hadamar überwiesen worden, wo die Nationalsozialisten während des Krieges systematisch Patienten umbringen ließen. In einem kirchlichen Krankenhaus hätten Ordensschwestern mitgewirkt, als bei Zwangsarbeiterinnen Abtreibungen vorgenommen wurden.
Entschädigung abgelehntNach Lehmanns Worten schieden die Kriegsgefangenen für eine Entschädigung aus grundsätzlichen Erwägungen aus. Von den 4.951 zivilen Zwangsarbeitern habe der Entschädigungsfonds 594 Personen noch lebend ermitteln können. Ihnen sei eine Entschädigung von jeweils rund 2.550 Euro zugesprochen worden.
Sieben Betroffene hätten eine Entschädigung abgelehnt. Mit der Durchführung der Entschädigung war der Deutsche Caritasverband betraut worden. Caritas-Präsident Peter Neher sagte, die Kirche habe gezeigt, dass sie bereit und fähig sei, «die Verantwortung für begangenes Unrecht zu übernehmen».
Entschädigungsgelder übrig«Ein angemessener Umgang mit dem Erbe des Nationalsozialismus kann sich nicht in der Zahlung einer eher symbolischen materiellen Leistung erschöpfen», sagte der Kardinal. Daher habe die Kirche von Anfang an die Hälfte der vor fünf Jahren bereit gestellten Mittel von insgesamt 5,1 Millionen Euro für Projekte zur Aussöhnung mit den Betroffenen bereit gestellt. Im Rahmen der Versöhnungsarbeit seien 175 Projekte mit insgesamt 2,53 Millionen Euro gefördert worden.
Während die im August 2000 bereit gestellten Mittel für die Versöhnungsarbeit vollständig aufgebraucht wurden, blieben von den für die Entschädigung zur Verfügung gestellten rund 2,55 Millionen Euro mehr als eine Million Euro übrig. Lehmann sagte, die Bischofskonferenz habe beschlossen, diese Summe dem katholischen Maximilian-Kolbe-Werk zur Verfügung zu stellen, das sich ebenfalls mit der Aufarbeitung der NS-Zeit befasst. (nz)