30.06.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Islamrat besorgt über Lafontaine-Äußerung
Der Islamrat hat besorgt auf eine Äußerung von Ex-SPD-Chef Lafontaine über «Fremdarbeiter» reagiert. Lafontaine schüre damit «Neid und Misstrauen» gegen Migranten, sagte Rats-Vorsitzender Kizilkaya der Netzeitung. Thema: Neuwahl des Bundestags DIW setzt ...
Der Vorsitzende des Islamrates für Deutschland, Ali Kizilkaya, hat die «Fremdarbeiter»-Äußerung Oskar Lafontaines als «unglücklich und bedauerlich» kritisiert. Der Spitzkandidat der nordrhein-westfälischen WASG (Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit) schüre damit «in schwierigen Zeiten noch mehr Neid und Misstrauen gegen Migranten», sagte Kizilkaya der Netzeitung. «Eine solche Politik führt sicherlich dazu, dass Migranten als lästige Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt gesehen werden.»
Kizilkaya betonte, dass er von einer linken Partei, die «nach ihrem Selbstverständnis eher weltoffen sein sollte», Aussagen, in denen ausländische Billiglohnkräfte als «Fremdarbeiter» bezeichnet werden, nicht erwartet hätte. Auf diese Weise entstünden Vorurteile. Das gebe «Anlass zur Sorge», da Themen, die Minderheiten ausgrenzten, «eher Parteien am rechten Rand» nützten.
Der Islamrat-Vorsitzende appellierte in diesem Zusammenhang an alle demokratischen Parteien, sie sollten «vorurteilschürende Themen aus dem Wahlkampf heraushalten». Das betreffe «vor allem auch die Union», die angekündigt habe, mit dem Thema Zuwanderung in den Wahlkampf zu ziehen. «Wichtig ist, dass man nicht auf dem Rücken von Schwächeren Politik macht», sagte Kizilkaya.
Der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland e.V. (IR) gilt neben dem kleineren Zentralrat der Muslime in Deutschland als einer der wichtigsten islamischen Dachverbände in Deutschland.
Lafontaine hatte vor zwei Wochen auf einer Kundgebung in Chemnitz erklärt: «Der Staat ist verpflichtet, seine Bürger und Bürgerinnen zu schützen, er ist verpflichtet, zu verhindern, dass Familienväter und Frauen arbeitslos werden, weil Fremdarbeiter zu niedrigen Löhnen ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen.»