Grüne wollen moderne Linkspartei sein
Pareitchefin Claudia Roth sagte: «Es muss gerechter zugehen - nur dann haben Sozialreformen eine Akzeptanz.»
Offen ist noch, wie die Grünen die gewünschte stärkere Förderung sozial Schwacher finanzieren wollen. Bütikofer kündigte das Konzept einer deutlichen Senkung der Lohnnebenkosten «in einem bestimmten unteren Segment», also bei niedrigeren Einkommen, an. Im Gespräch sind außerdem eine höhere Besteuerung privater Spitzenverdiener, die Abkoppelung privater und betrieblicher Einkünfte bei der Einkommensteuer oder eine Vermögensteuer.
Im Gegensatz zum sich abzeichnenden Linksbündnis von WASG und PDS seien die Grünen Garant für Umweltstandards, Rechtsstaat und Bürgerrechte, sagte Roth. Zur Schaffung von Arbeitsplätzen ist nach Bütikofers Worten auch «eine breit angelegte Innovationsoffensive» für Zukunftsbranchen geplant: «Keine ökologische Politik zu machen, verschenkt ökonomische Zukunftschancen.»
Bütikofer bezeichnete die Arbeitsmarktreform Hartz IV als richtig, sagte aber, dass die Grünen für eine «armutsfeste Grundsicherung» einträten. Deshalb müsse Hartz IV nachgebessert werden. «Es macht aber keinen Sinn zurückzukehren».
Die Co-Vorsitzende Claudia Roth erklärte, «die Grünen wollen im Programm eine ehrliche Bilanz ziehen». In die Wahlauseinandersetzung gingen sie als moderne ökologische Partei, für die Solidarität und Gerechtigkeit wichtige Anker seien. Als Beispiel für ökologische Verantwortung nannte Roth die Grünen-Position in der Stammzellenforschung. Ethische Werte dürften nicht auf Grund ökonomischer Interessen der Pharmaindustrie über Bord geworfen werden.
Vertreter des linken Parteiflügels forderten, ein Investitionsprogramm in zweistelliger Milliardenhöhe in das Konzept aufzunehmen. Nötig sei eine «umfassende Initiative für mehr Beschäftigung und mehr Binnennachfrage», zitierte die «Berliner Zeitung» aus einem Positionspapier. Der stellvertretende Fraktionschef im Bundestag, Hans-Christian Ströbele, sagte, das Geld solle insbesondere in Wissenschaft, Kultur und ökologische Dienstleistungen investiert werden. Das Papier, so fordern es die Parteilinken, soll Teil des Wahlprogramms werden.
Bütikofer erwiderte, die Grünen träten insbesondere für Investitionen in Bildung ein. Außerdem solle die Gewerbesteuer in eine kommunale Steuer umgewandelt werden, um Investitionen in Städten und Gemeinden zu ermöglichen. (nz)

