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Außenminister Fischer im Visa-Ausschuss
zwischen «Entzauberung» und «Geständnis»

25. Apr 2005 15:49, ergänzt 16:10
Joschka Fischer vor dem Visa-Ausschuss
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Nach dem ersten TV-Auftritt von Außenminister Fischer im Visa-Ausschuss gehen die Meinungen der Obleute auseinander. Während die Grünen die Union «zurechtgestutzt» sehen, spricht die von «Geständnischarakter».

Thema: Visa-Affäre
Die Aussage von Bundesaußenminister Joschka Fischer im Visa-Ausschuss des Bundestages hat bei den Obleuten der Fraktionen ein unterschiedliches Echo ausgelöst. Während Oppositionspolitiker nach der mehr als vierstündigen ersten Vernehmung des Grünen-Politikers am Montag besonders darauf hinwiesen, dass Fischer unmissverständlich Fehler eingeräumt habe, lobten Vertreter der rot-grünen Koalition die sachlichen und genauen Angaben des Ministers.

Roth: Überzeugend und glaubwürdig

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth hat die Aussage von Außenminister Joschka Fischer im Visa-Untersuchungsausschuss als überzeugend und glaubwürdig gelobt. Fischer habe «die selbst ernannten Chefankläger in hohem Maße entzaubert», sagte Roth in einer ersten Zwischenbilanz. Er habe «die monströsen Behauptungen von Teilen der Union zurechtgestutzt».

In der Befragung sei sehr deutlich geworden, dass die Einschätzung, wonach der umstrittene Erlass zu millionenfachem Visa-Missbrauch geführt habe, nicht auf seriösen Daten beruhe, erklärte die Grünen-Chefin. Der Minister habe «unumwunden» Fehler eingeräumt, aber auch dargestellt, welche Konsequenzen gezogen wurden.

Vor diesem Hintergrund rief Roth die Union dazu auf, sich bei Fischer zu entschuldigen. Die Opposition müsse im Ausschuss zur Sacharbeit zurückkehren, statt «Skandalisierung» zu betreiben.

«Politisches Geständnis»

Die Opposition hat Fischers Aussage dagegen als «politisches Geständnis» gewertet. Fischer habe erstmals zugestanden, dass die Änderung der Visa-Politik auf ihn zurückgehe, sagte CDU-Obmann Eckart von Klaeden. Er warf Fischer vor, dieser habe sein Ministerium nicht im Griff.

Von Klaeden sagte, eine breite öffentliche Unterstützung für eine vernünftige Zuwanderungspolitik könne nur durch hartes Durchgreifen im Kampf gegen illegale Einwanderung erreicht werden. Diese Härte habe Fischer vermissen lassen.

«Fehler mit fatalen Folgen»

FDP-Obmann Hellmut Königshaus bezeichnete die Aussage Fischers als «politisches Geständnis». Fischer habe Fehler eingeräumt und erklärt, die Missstände seien abgestellt worden. Auch habe er erklärt, die Visa-Politik der Vorgängerregierung fortgeführt zu haben:

«Diese Behauptung ist natürlich falsch.» Es habe nicht einfach nur Fehler gegeben, sondern Fehler mit fatalen Folgen, weil die Grünen eine neue Politik gewollt hätten. Die Frage sei nun, ob und wie das Kanzleramt eingegriffen und die Sache beruhigt habe. Man sei «um eine ganze Reihe von Erkenntnissen weiter», meinte Königshaus.

Scholz: Es gab Fehlentwicklungen

SPD-Obmann Olaf Scholz sagte am Nachmittag nach der bis dahin rund vierstündigen Vernehmung: «Es hat Fehlentwicklung gegeben, aber keinen Skandal.» Jeder, der die Angelegenheit jetzt noch skandalisiere, mache sich lächerlich.

Montag: Kämpferisch und sachlich

Der Vertreter der Grünen im Ausschuss, Jerzy Montag, bezeichnete den live im Fernsehen übertragenen Fischer-Auftritt als «kämpferisch und sachlich». Über die politische Zukunft Fischers werde aber weder in dieser Sitzung noch vom Untersuchungsausschuss entschieden, sondern von der Partei, der Fraktion und der Koalition. (nz)

 
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