Rüttgers: Katholische Kirche ist überlegen
22.04.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Jürgen Rüttgers
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Für Unverständnis und Empörung bei Kirchen und Parteien sorgt der CDU-Spitzenkandidat in NRW. Die katholische Kirche sei den anderen überlegen, behauptet Jürgen Rüttgers. Am Abend relativierte er die Aussage.
Jürgen Rüttgers, CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, hat mit einem Interview für Aufsehen gesorgt. In der N24-Sendung «Studio Friedman» sagte er am Donnerstagabend: «Ich bin Katholik und glaube, dass unser christliches Menschenbild das richtige ist und nicht vergleichbar mit den anderen Menschenbildern, die es anderswo auf der Welt gibt.»
Noch deutlicher wurde Rüttgers auf Nachfrage des Moderators: «Ich glaube, dass es das richtige ist - wenn sie wollen, auch 'überlegen'». Zudem forderte der CDU-Politiker, nach der Wahl von Papst Benedikt XVI. sollten die Katholiken mehr Selbstbewusstsein haben. Die Menschen müssten «wieder lernen, dazu zu stehen, dass wir etwas für wahr und etwas für unwahr halten».
Grüne: Keine Heiligen Kriege ausrufenSowohl bei Kirchen wie auch bei Parteien sorgte die Äußerung für Unverständnis. Die Grünen-Landesvorsitzenden Britta Haßelmann und Frithjof Schmidt warfen Rüttgers vor, er versuche, den «Heiligen Krieg» auszurufen. Seine Äußerungen seien «ein Schlag ins Gesicht für die überwältigende Mehrheit der deutschen Katholiken, die sich seit Jahren für die Ökumene und den interreligiösen Dialog etwa mit dem Islam einsetzen». Rüttgers habe unverfroren klargestellt, «dass er die Spaltung des christlichen Glaubens für richtig hält und damit die deutschen Protestanten zutiefst beleidigt».
Auch die Evangelische Kirche im Rheinland reagierte deutlich. «Wir können uns nicht vorstellen, dass Jürgen Rüttgers das Menschenbild von mehr als sechs Millionen Protestanten in NRW für unterlegen hält», sagte der Sprecher der zweitgrößten deutschen Landeskirche. Mehr wolle er dazu «zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht erklären», sagte er der Nachrichtenagentur dpa.
Rüttgers wies die Vorwürfe am Abend zurück. «Das Bekenntnis zum christlichen Menschenbild ist keine Überheblichkeit», hieß es in einer Erklärung, die Rüttgers verbreiten ließ. Er habe andere Religionen nicht abgewertet. «Jeder, der mich kennt, weiß. dass dies Falsch ist.» Er wolle einen gleichberechtigten Dialog und einen respektvollen Umgang der Religionen miteinander. In der christlich-jüdisch-abendländischen Kultur gebe es «Religionen erster und zweiter Klasse nicht». (nz)