20. Apr 2005 17:42
Eine große Mehrheit der Bundesbürger hält die Unternehmens-Kritik von SPD-Chef Müntefering für berechtigt. Allerdings vermuten sie Hintergedanken.
Zwei Drittel der Deutschen teilen die scharfe Kritik von SPD-Chef Franz Müntefering an einseitiger Profitorientierung von Unternehmen und Investoren zu Lasten von Arbeitsplätzen. Gleichzeitig glauben aber 73 Prozent laut einer Infratest-dimap-Umfrage im Auftrag der ARD, dass es der SPD mit ihrer Wirtschaftskritik nur darum geht, ihre Chancen bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 22. Mai zu verbessern. Auf Antrag der FDP wird der Bundestag an diesem Donnerstag in einer Aktuellen Stunde über Münteferings Aussagen debattieren.
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD) forderte im Landtag in Düsseldorf ein Ende des «ewigen Lamentos» aus der Wirtschaft. Angesichts erheblich verbesserter steuerlicher Rahmenbedingungen erwarte er jetzt von den Unternehmen «Standortverantwortung» für Deutschland. Der SPD-Landesvorsitzende und Arbeitsminister, Harald Schartau, bezeichnete die von Müntefering angestoßene Debatte als überfällig. «Wir müssen darüber diskutieren, wie man Prinzipien der Menschlichkeit durchsetzen kann gegenüber denen, die sich hinter Rendite-Erwartungen ihrer Anleger verstecken.»