18.04.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Im Auswärtigen Amt diskutiert seit Montagvormittag eine Personalversammlung über die Einführung einer Historiker-Kommission. Ex-Staatsminister Schäfer sagte bereits, er lehne diese ab.
Der frühere Staatsminister im Auswärtigen Amt, Helmut Schäfer (FDP), hat sich gegen eine Historiker-Kommission ausgesprochen, die die Rolle des Ministeriums während der NS-Zeit untersuchen soll. Schäfer sagte im rbb-Inforadio, er lehne eine entsprechende Forderung von Außenminister Joschka Fischer ab, über die am Montag bei einer Personalversammlung des Auswärtigen Amts beraten wird.
Die Verstrickung von Diplomaten in die NS-Diktatur sei bereits ausführlich aufgearbeitet worden, sagte Schäfer. «Ich halte es für Unsinn, jetzt so zu tun, als hätte es gar keine Aufarbeitung der Geschichte des Auswärtigen Amts gegeben.»
Der frühere Staatsminister fügte hinzu: «Es wäre ein verheerendes Zeugnis für die früheren Außenminister und fast eine Beleidigung der ehemaligen Minister Genscher, Kinkel und Scheel», wenn sie sich nicht der NS-Vergangenheit gewidmet hätten.
Fischer sieht «Nachholbedarf»Fischer diskutierte hat am Montag mit der Personalversammlung seines Hauses über seinen Vorschlag einer unabhängigen Historikerkommission. Die politische Entscheidung zur Einsetzung des Gremiums habe Fischer im Grunde bereits getroffen, sagte AA-Sprecher Walter Lindner in Berlin. Der Minister sehe bei dem Thema «Nachholbedarf».
Auch der Personalrat des Auswärtigen Amts und die Staatssekretäre hätten bereits «große Sympathie» geäußert. Über den Auftrag und die Mitglieder der Kommission wolle Fischer mit den Mitarbeitern sprechen, sagte Lindner.
Ausgelöst wurde die Diskussion durch eine Entscheidung Fischers, Diplomaten, die in der NSDAP gewesen waren, nach ihrem Tod nicht mehr mit einem Nachruf in der Hauszeitung zu ehren. (nz)