netzeitung.deFischer erwägt nun doch Historikerkommission

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Joschka Fischer (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Joschka Fischer
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Außenminister Fischer denkt darüber nach, doch noch die Historiker mit der Aufarbeitung der NS-Geschichte des Auswärtigen Amtes zu beauftragen.

Außenminister Joschka Fischer erwägt, wegen der umstrittenen Gedenkpraxis im Auswärtigen Amt nun doch eine Historikerkommission einzusetzen. Das sagte Fischers Staatssekretär Klaus Scharioth dem ZDF.

Scharioth sagte, die Debatte zeige, dass Nachholbedarf bestehe. «Ich glaube, wir müssen uns auch den düsteren Kapiteln unserer Geschichte widmen. Wir müssen auch die Geschichte des Auswärtigen Amtes in der Nazidiktatur systematisch aufarbeiten.» Dies sehe Fischer genau so.

Der Streit wurde durch eine Verfügung Fischers im Jahr 2003 ausgelöst, in der bestimmt wurde, dass ehemalige Mitarbeiter des Auswärtigem Amtes mit NS-Vergangenheit in der Mitarbeiterzeitung «internAA» keinen Nachruf mehr erhalten werden. Anlass war ein Nachruf für einen ehemaligen Mitarbeiter, der Mitglied von NSDAP und SS war, dessen NS-Vergangenheit aber nicht erwähnt wurde. Fischer selbst sagte, ein solcher Nachruf hätte nie erscheinen dürfen.

Fischer hatte im Interview der Hamburger Wochenzeitung «Die Zeit» gesagt, er könne es nicht zulassen, dass ein «ehrendes Gedenken bei fragwürdigen Biografien hier auch in meinem Namen erscheint». Die Begrenzung auf die rein nachrichtliche Todesmitteilung sei mit dem Personalrat geregelt worden. Diese Debatte sei damit für ihn abgeschlossen.

In der öffentlichen Debatte hatten sich mehrere Fachhistoriker gewundert, dass eine Aufarbeitung der Vergangenheit bisher unterblieb. Unter anderen äußerten sich der Jenaer Professor Norbert Frei, der Historiker Hans-Ulrich Wehler und der bisher einzige Autor, der die Personalien des Auswärtigen Amtes vor zehn
Jahren in einem Buch abhandelte, Hans-Jürgen Döscher. Der bisher einzige Vorstoß des früheren Außenministers Walter Scheel (FDP) in Richtung Aufarbeitung in den 60er Jahren war im Sande verlaufen.

Die Unterstützer der strittigen Nachrufpraxis im Auswärtigen Amt (AA) hatten argumentiert, dass die ganze Diskussion «eine Folge der erheblichen NS-Verstrickung des AA-Führungspersonals nach Errichtung des AA bei Neugründung 1951» sei: Von 25 Beamten im höheren Dienst in der Personalabteilung seien 19 NSDAP-Mitglieder gewesen, in der Politischen Abteilung 13 von 17 und in der Rechtsabteilung 11 von 17. (nz)