netzeitung.deDiplomatenaufstand gegen Fischer

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Joschka Fischer ( (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Joschka Fischer (
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Protest im Außenministerium gegen Joschka Fischer weitet sich aus. 76 Mitarbeiter unterzeichneten einen Brief gegen seinen Nachruf-Erlass. Ein ehemaliger Top-Diplomat spricht von einer inneren Krise.

Für den früheren Top-Diplomaten Joachim Bitterlich steckt das Auswärtige Amt derzeit in einer Krise. Der ehemalige außenpolitische Berater von Bundeskanzler Helmut Kohl sagte der «Welt am Sonntag», die Visa-Affäre habe eine grundlegende Schwäche der Amtsführung von Außenminister Joschka Fischer offen gelegt. «Der Streit um die Gedenkpraxis und die Visa-Affäre ist ein Symptom für eine innere Krise des Auswärtigen Dienstes», meinte Bitterlich.

Mit Blick auf die umstrittene Gedenkpraxis, wonach verstorbenen Diplomaten allein schon wegen der Mitgliedschaft in der NSDAP ein «ehrendes Gedenken» verweigert wird, sagte Bitterlich: «Ich verstehe nicht, dass es keine Einzelfallprüfung gibt. Was ein ehemaliger Straßenkämpfer für sich in Anspruch nehmen kann, nämlich dass er seine Einstellung ändern kann, das kann auch jemand mit NS-Vergangenheit für sich in Anspruch nehmen.»

Das Auswärtige Amt habe den neuen Minister Fischer zunächst positiv aufgenommen, sagte Bitterlich. «Die Enttäuschung wurde aber um so größer, als der Aufwind ausblieb und sein Führungsstil klar wurde. Fischer war derart hochgejubelt worden, dass letztlich keiner mehr fragte: Ist er dem Amt eigentlich gewachsen?»

Bitterlich war von 1993 bis 1998 Kohls außenpolitischer Berater. Der ehemalige Botschafter Deutschlands bei der Nato und in Spanien ist der höchstrangige ehemalige Diplomat, der sich bislang zu den Vorgängen um die Visa-Affäre und Gedenkpraxis im Auswärtigen Amt geäußert hat. 2002 hat Fischer ihn nach nicht näher bekannten Querelen in den vorzeitigen Ruhestand entlassen.

Nur neun Gegenbriefe
Nach «Spiegel»-Informationen weitet sich der Protest gegen Fischers Nachruf-Erlass aus: 76 Mitarbeiter hätten einen Leserbrief unterzeichnet, der in der Mai-Ausgabe der Behördernzeitschrift «internAA» erscheinen soll. Nur neun Kollegen hätten mit einem Gegenbrief reagiert.

Der außenpolitische Fraktionssprecher der Grünen, Fritz Kuhn, übte scharfe Kritik am Verhalten einiger deutscher Diplomaten. «Es gibt ein paar Leute im Auswärtigen Amt, die wieder einmal zu früh von einem Regierungswechsel träumen», sagte Kuhn der «Berliner Zeitung». Die Kritik aus dem Außenamt dürfe aber nicht überbewertet werden. Die große Mehrzahl der deutschen Diplomaten verhalte sich loyal «und weiß, was sich gehört». (nz)