Fischer: Diplomaten-Protest ist Störmanöver
der Nazi-Zeit Mitglieder der NSDAP waren, keinen internen ehrenden Nachruf gibt. Ehemals führende Diplomaten hatten dagegen protestiert. Daraufhin hatte Fischer die Gedenkpraxis Mitte März geändert. Künftig sollen intern nur noch neutrale Todesnachrichten veröffentlicht werden.
Der FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Gerhardt wies unterdessen Berichte zurück, wonach er die Diplomaten zur öffentlichen Kritik an Fischer aufgerufen habe. «Ich habe aber Verständnis dafür, dass sich einige Diplomaten Sorge machen und dazu äußern, weil sie unter der Belastung der Visa-Affäre leiden», sagte Gerhardt der Nachrichtenagentur dpa. Fischer habe intern nicht den nötigen politischen Stil des Umgangs gepflegt.
Der frühere Staatsminister im Auswärtigen Amt, Werner Hoyer (FDP), griff Fischer in der Tageszeitung «Die Welt» scharf an: «Er hat das Amt zutiefst in seiner Seele verletzt», so Hoyer und weiter: Die Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes hätten zunehmend das Gefühl, «dass Fischer das Ministerium
ruiniert».
Der Osnabrücker Historiker Hans-Jürgen Döscher sieht den Streit über Nachrufe für ehemalige NSDAP-Mitglieder im diplomatischen Dienst als eine Folge der unbewältigten Vergangenheit des Auswärtigen Amts. Das Ministerium habe seine Rolle im Dritten Reich anders als andere Ministerien nie selbst aufgearbeitet, so Döscher in der «Financial Times Deutschland». (nz)

