netzeitung.deBotschafter wirft Fischer «Schlampigkeit» vor

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Joschka Fischer (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Joschka Fischer
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Außenminister Fischer gerät im eigenen Hause immer heftiger in die Kritik. Hintergrund ist die von ihm angeordnete Praxis des Gedenkens an gestorbene Angehörige des Auswärtigen Dienstes.

Der deutsche Botschafter in der Schweiz, Frank Elbe, hat die von Außenminister Joschka Fischer (Grüne) geänderte Nachrufpraxis für gestorbene Diplomaten hat scharf kritisiert. «Das Management der gegenwärtigen Krise ist miserabel», zitiert die «Bild»-Zeitung aus einem Brief Elbes an Fischer. «Bürokratische Schlampigkeit und ein Mangel an politischer Empfindsamkeit» der politischen Führung des Ministeriums bei der Neuregelung der Gedenkpraxis hätten erst die Entrüstung bei aktiven und ehemaligen Diplomaten ausgelöst, so der ehemalige Büroleiter von Außenminister Hans-Dietrich Genscher.

Zuvor hatten bereits zahlreiche pensionierte Mitarbeiter öffentlich gegen Fischers «Nachruf-Erlass» protestiert. Die Anordnung gilt seit September 2003. Ehemalige Diplomaten, die früher NSDAP-Mitglied waren, bekommen demnach in der Ministeriumszeitung «internAA» keinen Nachruf mehr.
Nazisympathisanten
Fischer hatte laut «Bild» vor zwei Wochen in einem Brief an die Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes (AA) seinen Erlass verteidigt: «Ehrende Nachrufe in vergleichbaren Fällen würden im In- und Ausland zu Recht auf Unverständnis und Empörung stoßen und wären geeignet, das Ansehen des Auswärtigen Amtes und der Bundesrepublik zu beschädigen.» Nach Protesten hatte er diese Gedenkpraxis wieder geändert. Künftig werden intern nur noch Todesnachrichten veröffentlicht, die den beruflichen Lebenslauf der Verstorbenen darstellen und Angaben zur Beisetzung enthalten.

Botschafter Elbe beklagt indes den Umgang der AA-Führung mit den Erlass-Kritikern. «Leider drängt sich zusätzlich der Eindruck auf, daß das Auswärtige Amt in seiner Pressearbeit diejenigen Kollegen, die sich für eine Ehrung aussprechen, als Nazisympathisanten diskreditieren läßt und damit den Graben vertieft», schreibt er in dem Brief an Fischer.

«Anti-Fischer-Brief»
Laut «Bild» werden sich in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift «internAA» Fischer-Gegner und -Unterstützer zu Wort melden. In dem von rund 70 AA-Mitarbeitern unterschriebenen «Anti-Fischer-Brief» heißt es demnach: «Die Unterzeichnenden distanzieren sich in aller Form davon, für eine Art posthume Gerechtigkeitsfarce in Anspruch genommen zu werden, bei der Ankläger und Richter identisch sind.» (nz)