Asylbewerber in Polizeizelle verbrannt
18.03.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Der Asylbewerber aus Sierra Leone war am Morgen des 7. Januar festgenommen worden, weil er in Dessau stark betrunken mehrere Frauen belästigt haben soll.
Bei der Festnahme soll es ein Handgemenge gegeben haben, danach stufte die Polizei den Afrikaner als gewaltbereit ein. Er wurde auf das Polizeirevier gebracht. Nach den Ermittlungsergebnissen der Staatsanwaltschaft brach das Feuer etwa zwei Stunden später aus.
Der Fall beschäftigt inzwischen den Innenausschuss des Landtags in Sachsen-Anhalt. Nach der von der Staatsanwaltschaft veröffentlichten Chronologie wurde Jallohs Zelle vor dem Ausbruch des Brandes mehrfach kontrolliert. Unmittelbar vor Bemerken des Feuers soll der Dienstgruppenleiter allerdings die Wechselsprechanlage leise gestellt haben, mit der Jallohs Zelle überwacht wurde.
Danach soll sie zwar wieder laut gedreht worden sein, Geräusche aus der Zelle seien aber als Wasserplätschern wahrgenommen worden. Auch Signale des Brandmelders wurden von Polizisten laut der chronologischen Darstellung mehrfach ignoriert. Grund dafür seihen häufige Fehlalarme der Anlage gewesen.
Gerüchte über weitere Tätlichkeiten in der Zelle und angebrochene Handgelenke des Opfers bestätigte der Obduktionsbericht offenbar nicht.
Der leitende Polizeibeamte war bereits vor zwei Jahren mit einem Todesfall in Verbindung gebracht worden, als ein 36-Jähriger im gleichen Zellentrakt an inneren Verletzungen starb.
Der Chef der Staatsanwaltschaft Dessau, Folker Bittmann, schloss ein Fremdverschulden kategorisch aus. Es gebe keinerlei Anzeichen für die vorsätzliche Tat eines Dritten, sagte Bittmann gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung (MZ).
Rothe kritisierte Polizei und Staatsanwaltschaft, weil die Ermittlungen erst wegen des erheblichen Mediendrucks intensiviert worden seien. Die Bundesgeschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke, sprach von bestürzenden Fehlern der Polizei.
Unterdessen hat sich in Dessau eine Initiative in Gedenken an Oury Jalloh gegründet, die sich für eine schnelle Aufklärung seines Todes engagiert. (nz)

