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Familie der verhungerten Siebenjährigen
war Sozialarbeitern bekannt

03. Mrz 2005 13:59
Einem Elternpaar in Hamburg wird vorgeworfen, ihre siebenjährige Tochter verhungert haben zu lassen. Weil das Kind nicht zur Schule ging, war die Familie Sozialarbeitern schon seit Sommer bekannt.

Der Fall einer verhungerten Siebenjährigen in Hamburg hat eine Diskussion über den Kinderschutz in Deutschland ausgelöst. Zwei Tage nachdem die Eltern des Mädchens festgenommen wurden, gibt es Hinweise darauf, dass die zuständigen Behörden versagt haben.

Am Dienstag war das Mädchen tot aufgefunden worden. Sein Gewicht betrug 9,5 Kilo - so viel, wie normalerweise eine Zweijährige wiegt. Laut Polizei starb das Mädchen an den Folgen von Unterernährung. Der 35-jährigen Mutter und dem 49-Jährigen Vater wird «gemeinschaftlicher Totschlag durch Unterlassen» vorgeworfen. Die Polizei verdächtigt sie, ihre Tochter wie eine Gefangene gehalten zu haben.

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Sozialarbeiter standen dreimal vor der Tür

Seit vergangenen Sommer hätte das Mädchen zur Schule gehen müssen. Da sie aber nie dort war, schaltete sich die regionale Beratungs- und Unterstützungstelle (REBUS) ein, berichtet die «Bild«-Zeitung. Dreimal standen demnach Sozialarbeiter vor der Hochhaus-Wohnung der Familie, hätten aber niemanden angetroffen.

Das zuständige Jugendamt behauptet, nichts von dem Mädchen gewusst zu haben. Der Ex-Mann der Mutter sagte aber in den Zeitungen «Bild» und «Morgenpost», er habe die Behörden informiert. Ein weiteres Kind habe die Frau zur Adoption freigegeben.

Die «Bild»-Zeitung zitierte am Donnerstag den Lehrer Thomas Johl. Er sagte, sein für die Familie zuständiger Kollege habe den Eindruck gehabt, dass es in der Famile gar kein Kind gebe. Ein verhängtes Bußgeld in Höhe von 60 Euro hätten die Eltern nicht gezahlt. Seitdem lag der Fall beim Gerichtsvollzieher, sagte Johl. Die Chefin von REBUS, Renate Plan-Huber sagte laut «Bild», es sei heute nicht ungewöhnlich und kein Anzeichen für eine Gefährdung, wenn ein Kind nicht zur Schule ginge.

Untersuchung im Rathaus gefordert

Die Oppostion im Hamburger Rathaus hat inzwischen Konsequenzen gefordert. «Der Kinderschutz hat versagt», sagte Christa Goetsch von den Grünen und forderte eine Ausschusssitzung. Die Schul- und Sozialbehörden müssten die vielen offenen Fragen beantworten.

Auch die SPD-Vizefraktionschefin Britta Ernst verlangte eine Untersuchung, ob sich staatliche Stellen etwas vorzuwerfen hätten. Es müsse eine «klare Antwort auf die Frage geben, ob der Tod des Kindes hätte verhindert werden können.» (nz)

 
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