Deutschland laut Umfrage kinderfeindlich
12.01.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Die Grundlage des so unterschiedlichen «Spins» der Medien ist eine von der Zeitschriften «Eltern» und «Eltern for Family» in Auftrag gegebene Erhebung, deren Ergebnisse bei näherem Hinschauen eindeutig sind. Tatsächlich ist Beziehungs-Perfektionismus der von den Befragten am häufigsten genannte einzelne Grund für Kinderlosigkeit, der «richtige» Partner für die Familiengründung fehlt 44 Prozent der Befragten. Die nächstgenannten Gründe aber lassen sich zu einem Mehrheits-Stimmungsbild zusammenfassen, denn sie beziehen sich alle auf die gefühlte persönliche wirtschaftliche Lage, die Karriere, die persönliche Unabhängigkeit und die mangelnde Kinderfreundlichkeit der Gesellschaft.
Auch in manchen Unternehmen, klagt die Hälfte der 1186 Befragten mit Kindern, hätten es Eltern schwer. Viele Chefs reagierten mit Unverständnis, wenn es um Überstunden gehe. Für 42 Prozent der Mütter sind Kinder «Karrierehemmer». Vor allem Akademikerinnen fühlen sich durch Kinder oft im Job benachteiligt. «Es ist in Deutschland nicht sexy, Kinder zu haben», zitiert die Nachrichtenagentur dpa die «Eltern»-Chefredakteurin, Marie-Luise Lewicki. «Deshalb brauchen wir nicht nur Krippen und Ganztagsschulen für Familien, sondern vor allem einen gesellschaftlichen Aufbruch.» Familien, so die Chefredakteurin, müsste wieder das Gefühl vermittelt werden, mit ihren Kindern in Deutschland willkommen zu sein.
Um junge Familien noch mehr finanziell entlasten zu können, schlägt «Eltern» vor, den Kinderfreibetrag von 3648 Euro langfristig auf das Existenzminimum eines Erwachsenen - derzeit 7664 Euro - anzuheben. «Eine Durchschnittsfamilie mit zwei Kindern müsste dann kaum noch Steuern zahlen», sagte Lewicki. Als Alternative zur Anpassung des Kinderfreibetrags empfiehlt das ifo Institut ein
Familiensplitting nach französischem Vorbild: Dort wird das zu versteuernde Einkommen rechnerisch gleichmäßig auf alle Familienmitglieder verteilt - und nicht wie in Deutschland üblich nur auf die Ehegatten. Mit jedem Kind würde danach die Steuerlast kleiner. (nz)

