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Lehrerverband lehnt Einheitsschule ab

15. Sep 2004 10:05
Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands
Der Lehrerverband hat den Vorschlag von Rotgrün, das dreigliedrige Schulystem abzuschaffen, als unbrauchbar bezeichnet. Das sei «schöne Lyrik», sagte Präsident Kraus der Netzeitung.

Thema: Streit um Bildung
Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, hat scharfe Kritik an der OECD-Bildungsstudie geäußert und die Schlussfolgerungen einiger Politiker daraus abgelehnt. Die Bildungsstudie sei das «Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben steht», sagte Kraus der Netzeitung.

Die OECD missachte das «Herzstück des Qualifizierungssystems in Deutschland, die berufliche Aus- und Weiterbildung», begründete Kraus seine Kritik. Eine Studienquote von 70 Prozent, wie sie der Koordinator für den Bericht, Andreas Schleicher, fordere, sei daher «absoluter Quatsch». Schleicher ignoriere, dass es, verglichen mit anderen Ländern in Europa, in Deutschland Ausbildungsberufe gebe, die sich auf dem selben «level» bewegten wie universitäre Ausbildungen. Als Beispiel nannte er den Beruf der Krankenschwester, der in Finnland als Hochschulausbildung gelte, aber qualitativ unter dem liege, was in Deutschland im Rahmen einer Krankenpflegeausbildung vermittelt werde.

«Schöne Lyrik»

Mit Unverständnis und Ablehnung reagierte der Lehrerverbands-Präsident in diesem Zusammenhang auf Aussagen führender rot-grüner Politiker, die als Konsequenz aus der OECD-Studie die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems gefordert hatten. Wenn Grünen-Fraktionschefin Krista Sager erkläre, man wolle zu einem Schulsystem kommen, wo die Kinder neun bis zehn Jahre zusammenbleiben, aber individuell gefördert werden, dann sei das nichts als «schöne Lyrik», so Kraus. «Frau Sager soll die Realitäten zur Kenntnis nehmen.» Die Fakten sprächen ein ganz klare Sprache. «Je differenzierter das Schulsystem, desto besser haben die Schulen im innerdeutschen PISA-Vergleich abgeschnitten», erklärte der Lehrerverbands-Vorsitzende.

Kraus wies darauf hin, dass es bei PISA ein deutliches Nord-Süd-Gefälle gebe. Bayern und Baden-Württemberg lägen mit ihrem dreigliedrigen Schulsystem weit vor Bundesländern wie Bremen. Dort sei die Gesamtschule mit einem «integrierten System» eingeführt worden. Das Ergebnis sei jedoch, dass sich die Schulen dort auf dem Niveau von Brasilien und Mexiko befänden. Er könne deshalb nicht verstehen, dass man als Schlussfolgerung aus dem OECD-Bericht eine Einheitsschule wolle. Die Bundesregierung sollte besser der OECD die Gelder streichen, da dort offenbar Studien erstellt werden, mit denen man «nullkommanull» etwas anfangen könne, sagte Kraus der Netzeitung.

Beseitigung der Bildungsmisere

Der Lehrerverbands-Präsident forderte indes eine bessere finanzielle Ausstattung für die Schulen. Das Schulsystem sei schon seit Jahren «chronisch unterfinanziert», sagte er. Zudem müsse man «endlich begreifen», worin die eigentlichen Anstrengungen zur Beseitigung der Bildungsmisere liegen müssten: Schüler müssten früher eingeschult und die Schulklassen generell verkleinert werden. Überdies müsse der Überalterung bei den Lehrern entgegengewirkt werden.

 
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