Zehntausende demonstrieren gegen Hartz IV
Das «Aktionsbündnis Montagsdemonstration» mit Attac, PDS, IG Metall und Verdi warf dem «Berliner Bündnis» um den ehemaligen ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Fred Schirrmacher vor, von der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) dominiert zu sein.
«Wer soziale Grundrechte mit Füßen tritt, erntet unseren Widerstand», sagte der Berliner Politologe Peter Grotian vor dem Roten Rathaus. Die Politiker hätten den Menschen «Bananen offeriert und Harz gebracht». Mit Änderungen an dem Hartz-Gesetzeswerk habe die Politik nur symbolisch reagiert. Grotian kritisierte die Spaltung der Demonstranten. Er forderte, ab nächsten Montag dürfe es in Berlin nur noch eine Demonstration geben.
Vor der Demonstration in Leipzig, hatte der Pfarrer der Nikolaikirche, Christian Führer, zu einer kurzen kurzen Fürbitt-Andacht eingeladen, an der rund 300 Besucher teilnahmen.
Nach Angaben der Veranstalter nahmen in Leipzig an der Demonstration unter dem Motto «Weg mit Hartz IV und der Agenda 2010» 30.000 Menschen teil. Das sind etwa 10.000 Menschen mehr als in der vergangenen Woche. Die Demonstranten zogen mit Trillerpfeifen, Plakaten und Transparenten vom Nikolaikirchhof zum Bundesverwaltungsgericht.
Die Protestierenden forderten von der Bundesregierung mehr Gerechtigkeit in den Sozialreformen. In einem Sarg trugen sie die Zukunft symbolisch zu Grabe.
In Halle sagte der DGB-Landesvorsitzende Udo Gebhardt vor rund 5000 Menschen, in Deutschland habe ein «Amoklauf gegen die sozial Schwachen» begonnen. «Keine Maßnahme sei so blöd oder absurd, um sie nicht auf die Tagesordnung zu setzen», sagte er. Der Protest der Straße sei das einzige, was die Regierung in Berlin verstehe.
In Magdeburg demonstrierten mit Rufen wie «Das Volk sind wir nieder mit Hartz IV» etwa 8.000 Menschen. An den vergangenen beiden Montagen hatten nach Schätzungen der Polizei noch 12.000 und zuletzt 15.000 Teilnehmer demonstriert. In Schwerin, Dresden, Gera, Weimar, Jena, Stralsund und Rostock kamen jeweils zwischen 1500 und 5000 Menschen zu den Protesten.
An den Protesten in Dresden, zu denen «Bündnis gegen Sozialkahlschlag» aufgerufen hatte, beteiligten sich auch an diesem Montag wieder Anhänger des rechtsradikalen «Nationalen Bündnisses» aus Dresden. Die Organisatoren forderten die Rechten mehrmals ohne Erfolg auf, die Demonstration zu verlassen.
Weitere Demonstrationen fanden in rund 30 nordrhein-westfälischen Städten statt. Die größten Proteste gab es nach Angaben der Polizei in mehreren Ruhrgebietsstädten und in Köln. In Dormund protestierten demnach rund tausend Menschen, in Bochum und Köln gingen rund 600 Demonstranten auf die Straße. Weitere Proteste gab es in Düsseldorf, Wuppertal, Essen und Münster. Kleinere Proteste gab es in Frankfurt am Maim, Darmstadt, Kassel und Marburg.
Am vergangenen Montag demonstrierten in ganz Deutschland mehr als 70.000 Menschen in dutzenden ostdeutschen Städten und in Berlin. (nz)

